Jeder Mensch hat wohl so seinen “Happy Place”, wohin er immer wieder zurückkehrt und nicht genug bekommen kann. Oft ist so ein Ort auch mit schönen Erinnerungen verbunden. Für mich ist dieser Platz das Salzkammergut, quasi meine zweite Heimat. Denn aufgrund unseres Wochenendhauses am Wolfgangsee und der geografischen Nähe zu meinem Geburtsort Linz verbrachte ich unzählige Wochenenden, Ferienteile und Tagesausflüge in dieser zauberhaften Gegend. Die Bewohner, die Kalkalpen, die zahlreichen Seen, die teils unberührte Natur, die Jahrtausende lange Geschichte und die mit viel Freude von jung und alt zelebrierte Tradition machen für mich den Charme des Salzkammergutes aus. Und da ich hier so ziemlich alle Geheimtipps kenne, werde ich euch in dem Beitrag weitergeben, was ihr in dieser vielleicht schönsten Region Österreichs nicht verpassen solltet.

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  1. Hinterstoder

Jedes Jahr auf’s Neue, seit ich mich erinnern kann, war ich im Herbst mit meiner Familie in Hinterstoder im Nationalpark Kalkalpen wandern. Zu jeder Jahreszeit ist das Stodertal mit dem Schiederweiher einen Besuch wert, aber besonders im Herbst ist das Farbenspiel der bunten Blätter eine Augenweide. Diese klassische Route, die ich meistens gehe, ist nicht besonders anspruchsvoll und für jedes Level geeignet und bietet einen tollen Blick auf das Tote Gebirge und den Großen Priel, Oberösterreichs zweithöchsten Berg. Meldet sich auf dem Weg der Hunger, dann kann ich einen Abstecher zur in der Gegend legendären Polsterlücke nur empfehlen. Ein Bekannter, der den Weg einmal mit uns ging, schwärm heute noch vom dortigen Schweinsbraten, doch auch die Kasnocken und diversen Mehlspeisen stehen dem in nichts nach.

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2.  Traunsee: Gmunden und Traunkirchen

Zum Baden ist der berüchtigt kalte Traunsee nur bedingt geeignet, dafür hat er viele andere Qualitäten zu bieten: Gmunden ist einfach eine entzückende Stadt mit liebevoller Architektur und marinem Flair. Neben dem Streifen entlang der Seepromenade und durch die Innenstadt bietet sich hier natürlich auch ein Besuch des Schloss Ort an, das einst Handlungsort der gleichnamigen Fernsehserie war und noch heute ein beliebter Hochzeitsort ist. Der Innenhof des Schlosses ist der Öffentlichkeit frei zugänglich und ist einen kurzen Halt definitiv wert. Wer mit dem Auto kommt, kann am Toscana Parkplatz gratis stehen bleiben.

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Ebenso stoppen wir am Weg zum Wolfgangsee oft im kleinen Traunkirchen. Der Ort ist auf einer Halbinsel am Traunsee vorgelagert, und man kann hier einen kurze Fahrpause gut mit einem Spaziergang auf den Johannesberg und einen Besuch der Fischerkanzel in der dortigen Pfarrkirche verbinden. Ist einem nach etwas mehr Wandern zu Mute, dann kann an entweder den Grünberg (für Anfänger) besteigen und danach eine Runde um den auf den Berg gelegenen Laudachsee drehen, oder sich an den  höheren und anspruchsvollen Traunstein wagen, der das Bild der Region prägt.

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In Traunkirchen, Traunstein im Hintergrund 

3. Ödseen bei Grünau

Ein wunderschönes, vom Tourismus (noch) fast verschontes Fleckchen sind die Ödsten bei Grünau im Almtal. Als ich Freunden ein von mir mit Handkamera geschossenes Bild zeigte, war ihre erste Reaktion “Ist das der Grüne See?” Denn die beeindruckend türkise Farbe des Wassers erinnert wirklich sehr stark an den extrem gehypten und überrannten steirischen See-eben mit dem Unterschied, dass man hier quasi alleine ist. Wie die Mehrzahl im Titel schon suggeriert gibt es zwei Ödsten, den großen und den (noch schöneren) kleinen, die wenige hundert Meter beieinander gelegen sind. Auch das kristallklare, blassblau bis durchsichtige Quellwasser in den Bächen habe ich hier sehr bestaunt. Ganz nah ist ebenfalls der Almsee, aus dem der Donaunebenfluss Traun entspringt.

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4. Hallstatt

Zu Hallstatt brauche ich nicht viel zu sagen, oder?

Ich selbst war hier mit Familie, Firma, Kindergarten und Schule schon unzählige Male, um mir das Salzbergwerk aus der Bronzezeit und den Jahrtausende alten, historischen Ort anzusehen. Wie der oben schon erwähnte Grüne See wurde Hallstatt in den vergangenen Jahren dank China Kopie und Social Media dermaßen gehyped, dass der kleine Ort sehr überrannt und touristisch geworden ist. Dennoch ist Hallstatt  weiterhin wirklich unglaublich süß, und seine lange Vergangenheit, das historische Salzbergwerk mit Rutschen und die Architektur haben einen besonderen Zauber. Gerade das durch die um den See gelegenen Hochberge oft etwas trübe, wolkige Wetter gibt dem Ort etwas Mystisches, fast Verwunschenes. Und trotz der gehobenen Preise kann ich zum Essen gehen den Bräugasthof mit Seeterrasse gute Gewissens empfehlen. Hier habe ich als Kaiserschmarren-Junkie Experte einen der zwei besten Kaiserschmarrne (gibt es zu dem Wort überhaupt ein Plural?) meines Lebens gegessen. Nicht verwunderlich, wen man bedenkt, dass das Gericht in Bad Ischl ganz in der Nähe erfunden wurde.

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5. Bad Ischl

Keine fünfzehn Autominuten entfernt liegt das eben schon erwähnte Bad Ischl. Ich verbrachte in meiner Schulzeit einmal meine Projektwoche hier und habe den Ort daher noch in reger Erinnerung. Am Bekanntesten ist Bad Ischl wohl als Sommerresidenz von Kaiser Franz Josef I., der sich dort eine Kaiservilla samt großem umliegenden Jagdgebiet errichten ließ. Große Teile der Kaiservilla, die übrigens als Homage an Kaiserin Elisabeth (Sissi) in Form eines “E”s konstruiert ist, können besichtigt werden und geben einen wirklich guten Einblick in das Leben des Kaiserpaares. Hier hielt Franz Josef sich auch auf, als er von der Ermordung Sissi’s erfuhr, und unterzeichnete am selben Ort auch die Kriegserklärung an Serbien (die hier auch zur Ansicht ausgestellt ist). Von der Kaiservilla abgesehen verfügt Bad Ischl auch über eine schöne Therme, falls das Wetter mal nicht so mitspielt, und den Hausberg Siriuskogel, der auch von weniger geübten Wanderern bestiegen werden kann.

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6. Fürberg bei St. Gilgen

Im Gegensatz zu Bad Ischl und Hallstatt noch eher ein Geheimtipp, den meine Familie und ich jedes Jahr mindestens einmal machen. Fürberg ist ein Wanderweg, der von St. Tilgen am Wolfgangsee aus östlich entlang des Seeufers verläuft. Ich kann euch versichern, die hier von mir geposteten Bilder sind zu 100% unbearbeitet und wurden genau so aufgenommen-so ein türkises Wasser erwartet man in Österreich einfach nicht. Nach einer Weile gelangt man zum Hotel und Gasthof Fürberg, wo man unbedingt einen Stop einlegen sollte. Das Essen hier ist wirklich lecker, laut Aussage von Nicht-Vegetariern soll besonders der täglich frisch aus dem See gefangene Fisch ausgezeichnet sein. Direkt auf der anderen Seite des Restaurants beginnt dann der wirkliche Fürberg (davor geht man einfach nur im Flachland entlang des Seeufers). Am Fürberg findet an der Falkensteinwand jährlich ein internationales Profi-Krippenspringen aus 27 Metern Höhe statt, die weniger wagemutigen Amateure können von 1- bis 27 Metern quasi jede für sie passende Höhe auswählen und als Abkühlung in den kristallklaren See springen.

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7. Strobl: Bürglsteig und Postalm

Verbleiben wir fürs Erste am Wolfgangsee. In Touristenreiseführern wird an dieser Stelle wohl eher St. Wolfgang mit dem berühmten Weißen Rössl gelistet sein, doch als Teilzeit-Stroblerin entscheide ich mich für den weniger bekannten Ort. Im Winter sollte man sich auf keinem Fall den bekannten Wolfgangsee Advent entgehen lassen, da ich jedoch meistens im Sommer hier bin, kann ich eher Tipps für wärmere Temperaturen geben 🙂 Neben dem regen Dorfleben bietet Strobl das Blinklingmoos, ein weitläufiges Moorgebiet zum Radfahren und Spazierengehen, sowie die Wanderung nach St. Wolfgang entlang der Klippen des Bürgersteiges. Für meine Familie ist es ein Ritual, an jedem hier verbrachten Abend zumindest ein Teilstück des abwechslungsreichen Klippenweges zu gehen.

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Ebenfalls zum Strobler Ortsgebiet zählt die Postalm, das größte Almengebiet in Österreich und gleichzeitig das zweitgrößte Hochplateau in Europa. Im Winter befindet sich hier ein großes Skigebiet, doch auch im Sommer lässt es sich auf der Postalm vorzüglich wandern. Aber die Bilder sprechen denke ich für sich 😉 Zusätzlich ist das Essen auf den Almhütten hier sehr traditionell und einfach super lecker. Besonders die Blonde Hütte und der dortige Kaiserschmarren und Germknödel bekommen von mir eine Empfehlung.

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8. Dachstein Höhlen

Und wir bleiben auf dem Berg, genauer gesagt gehen wir sogar noch ein Stückchen höher auf den Dachstein, mit fast 3 000 Metern Oberösterreichs höchster Berg. Für den Dachstein kann man aufgrund der zahlreichen Angebote locker einen Tag einplanen, ohne Gefahr zu laufen, dass einem langweilig werden könnte. Hier habe ich die offizielle Website mit einer Übersicht aller Angebote verlinkt. Besonders empfehlen kann ich hier die zahlreichen Dachsteinhöhlen wie etwa die Mammuthöhle und die Eishöhle, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden. Klarerweise muss man aus Sicherheitsgründen eine Tour durch die Höhlen buchen und kann sie nicht einfach so privat betreten.

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9. Ausseer Land

Begeben wir uns jetzt auf die steirische Seite des Salzkammerguts, genauer gesagt in das Auseer Land. Besonders das Narzissenfest in Bad Ausee dürfe vielen ein Begriff sein, den sie mit der Region verbinden. Doch auch außerhalb der (natürlich wunderschönen) Narzissensaison im Frühling ist das Ausseerland einen Besuch mehr als wert. Ich kann hier besonders die Grundlsee Schifffahrt, eine Tour über die drei Seen Grundlsee, Toplitzsee und Kammersee empfehlen, die ich schon mehrfach gemacht habe. Auch die 6-Seen-Wanderung auf der Tauplitz (ihr merkt, es gibt in diesem Gebiet wirklich viele Seen :D) ist wirklich wunderschön und nicht besonders anspruchsvoll. Natürlich darf auch hier eine kleine kulinarische Empfehlung nicht fehlen: Macht unbedingt in der Lebkuchen Manufaktur der Ausser Lebkuchen Halt-und dankt mir später für den Tipp 😛

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10. Bergsteigen: Zwölferhorn, Krippenstein und Schafberg

So, nun sind wir beim letzten Punkt angelangt, der sich auf die Sportler unter euch bezieht: Meine Bergsteig-Tipps. All dieser Gipfel können natürlich auch per Gondel erreicht werden, doch das Gefühl, selbst hinaufgestiegen zu sein, ist dann doch nochmal ein anderes. Das Zwölferhorn bei St. Gilgen am Wolfgangsee ist ein relativ einfacher Aufstieg, für den man etwas mehr als 2 Stunden einplanen sollte. Der Schafberg bei St. Wolfgang ist da schon um eine Nummer schwerer. Hier muss man 1200 Höhenmeter überwinden und kann mit etwa 5 Stunden Aufstiegszeit rechnen. Oben wird man dann aber mit einem einmaligen Blick auf insgesamt 13 Salzkammergut Seen belohnt. Ebenfalls ca. 5 Stunden dauert der Aufstieg auf den Krippenstein von Obertraum aus. Aufgrund seiner Steilheit ist auch diese Route eher für Fortgeschrittene zum empfehlen. Auf dem Krippenstein befindet sich auch die Aussichtsplattform “5fingers” und man hat einen tollen Blick hinunter auf den Hallstätter- sowie Attersee. Besonders in im Mai/Juni ist ein Ausflug auf einen der Berge zu empfehlen, da zu dieser Zeit trotz T-Shirt Wetter flächenweise noch Schnee liegt und man bei Sonnenschein eine Schneeballschlacht machen kann. Eine Sache, die mir jedes Mal auf’s Neue Spaß macht.

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So, das waren sie nun, meine Tipps für das Salzkammergut. Obwohl der Bericht schon sehr ausführlich war, sind wahrscheinlich etliche Orte trotzdem nicht enthalten-beispielsweise der populäre Attersee oder auch der Mondsee. Jedoch muss ich sagen, dass ich mich etwa in der Region um den Attersee nicht besonders gut auskenne und dieser Artikel ja meine persönliche Tipps und Erfahrungen widerspiegeln soll. Auch ist mir bewusst, dass mein erstgenannter Ort, Hinterstoder, auf der anderen Seite des Toten Gebirges liegt, welches das Salzkammergut von der Pyrn-Priel Region abtrennt. Ich konnte diesen wunderschönen Ort aber auf keinen Fall exkludieren, und da er direkt an der Grenze zum Salzkammergut liegt, kann man wohl ein Auge zudrücken, oder?

Auf alle Fälle hoffe ich, dass mein kleiner Guide euch Inspiration für euren nächsten Roadtrip, Tagesausflug oder Österreichurlaub geben konnte-es wird einem hier zweifellos wirklich viel Abwechslung geboten. Falls ihr dennoch weitere Fragen oder Ergänzungen haben solltet, dann zögert nicht, mir einen Kommentar zu hinterlassen. Ansonsten wünsche ich euch noch einen schönen Tag und hoffentlich einen tollen kommenden Urlaub im Salzkammergut.

 

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