“Ich möchte mal keinen 9 to 5-Job haben, durch Südostasien reisen, ein Freigeist sein.” Exakt so oder zumindest so ähnlich würde wohl der Großteil der westlichen Jugend auf die Frage antworten, was er vom Leben möchte oder sich von der Zukunft wünscht. Und an diesen Vorstellungen und Träumen ist auch gar nichts auszusetzen. Jedoch haben auch schon viele Menschen diese Wünsche geäußert, deren Persönlichkeit in ziemlichem Kontrast zu einer Hippie-Backpackerreise nach Indonesien steht. Dabei stellte ich mir zwangsläufig die Frage: Wie sehr sind unsere Wünsche von der Gesellschaft (und Social Media) bestimmt?

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Das tolle an unserer Zeit und Gesellschaft ist das, dass man sich und seine Persönlichkeit wahrscheinlich wie noch nie zuvor ausleben kann. Dennoch scheinen alle dieselben Ziele zu haben, und zwar mehr oder weniger das auf Instagram portraitierte Jetset-Leben eines Celebrities oder Bloggers. Mit dem Effekt, dass mir Leute, die sich schon im U-Bahn Netz nicht zurecht finden und im Italienurlaub nur McDonalds essen, davon erzählen, ein Monat nach Bali fahren zu wollen. Oder andere, die totale Routinetypen sind und unbedingt selbstständig werden wollen. Ich finde es wirklich super, wenn andere Leute was aus ihrem Leben machen wollen und unterstütze das auch immer gerne. Nur habe ich eben sehr oft das Gefühl, dass das alles null zusammenpasst und die “Träume” der Leute gar nicht ihre eigenen sind.

Wir alle wollen Individualisten sein, doch wie individualistisch und freigeistig ist Backpacking in Thailand mittlerweile noch? Ich kann euch nur alle dazu ermutigen, das, was ihr in eurem Leben wollt, zu hinterfragen. Passt das wirklich zu euch, seid ihr wirklich dieser Typ Mensch? Ich zum Beispiel werde wahrscheinlich nie selbstständig sein (können). Sicher hört es sich zuerst echt attraktiv an, sein eigener Boss zu sein und sich Arbeitszeit- und Ort flexibel einteilen zu können. Doch trotz der vermeintlichen Vorteile kenne ich mich selbst inzwischen gut genug, um sagen zu können, dass das nichts für mich wäre. Ich kann ein ziemlicher Perfektionist sein, der stundenlang, bis tief in die Nacht hinein an einem Projekt arbeitet-grundsätzlich gute Eigenschaften für die Berufswelt. Allerdings kann ich dafür Arbeit (bei mir momentan die FH) und Freizeit oft nur schwer trennen, habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nichts tue, weil ich ja immer “noch mehr” machen könnte. In Kombination mit einer konstanten, sicheren Bezahlung und dem sozialen Charakter in einem Unternehmen weiß ich also, dass eine angestellte Tätigkeit viel eher meiner Persönlichkeit entspricht.

Genauso ist vielleicht eine Reise in eine ganz andere Kultur oder der Besuch eines Festivals für andere Leute nichts-so toll das ganze vielleicht auf professionellen Instagram-Bildern aussieht und so sehr es in unserer Gesellschaft verherrlicht wird. Aber manchmal kann man gefühlt auch nicht anders: Bleibt man in den Ferien lieber daheim, zieht das Landleben der Stadt vor und strebt einen Job in der Industrie an, so wird man von anderen wahrscheinlich schnell als uncool oder Langweiler abgestempelt.   Vor ca. einem Jahr habe ich schon einmal einen Beitrag zu einem ähnlichen Thema geschrieben, falls ich jetzt euer Interesse geweckt habe.

Falls die gängigen Wünsche wirklich eure Träume sind, so verfolgt sie bitte mit Einsatz weiter. Allerdings ermutige ich euch von Herzen dazu, eure Ziele zu hinterfragen: Will ich das wirklich selber, und passt das überhaupt zu mir? Immerhin leben wir nur dieses eine Leben, und da wäre es ja mehr als schade, das nach den Träumen und Vorstellungen anderer zu leben.

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