Die Matura ist vorbei, der Sommer steht vor der Tür-und viele frischgebackene Maturanten stehen vor der Frage, wohin es sie zum Studieren verschlagen soll. Gerade für die “Landeier” unter uns ist dabei oft Wien das Ziel, da man der Kleinstadtidylle (oder für manche auch Hölle) endlich entfliehen und in die große Stadt ziehen möchte. Als ich vor knapp zwei Jahren nach Wien zog, hatte ich im Vorhinein nicht wirklich eine Ahnung davon, wie sich das Leben in der Hauptstadt abseits von Shoppingausflügen anfühlt. Daher dachte ich mir, ich stelle allen zukünftigen Wahlwienern unter euch ein paar Punkte vor, die nützlich zu wissen sind.

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1. Der Wiener Wind

Gebürtigen Wienern mag das vielleicht gar nicht erst auffallen, aber Wien ist wirklich ein Windkanal. Gerade in der Nähe des Praters bläst es oft so stark daher, dass man mit dem Rad quasi nicht vorankommt. Ich schwöre, ich habe sogar schon mal miterlebt, wie ein Kindergartenkind umgepustet wurde 😉  Dadurch ist in den kälteren Monaten die gefühlte Temperatur immer ca. 3-5 Grad unter dem angezeigten Wert und man sollte dementsprechend mit Handschuhen bewaffnet sein. Im Sommer hingegen ist der Wind eine wahre Wohltat. Allerdings gestaltet sich das Tragen von luftigen Röcken dadurch etwas schwierig-aber zum Glück gibt’s ja Jumpsuits.

2. Wien hat mehr Öffis als nur U-Bahnen

Die ersten paar Wochen in Wien fuhr ich quasi nur mit der U-Bahn, da sie 1. vor meiner Haustür war und man damit 2. fast überall  hingelangt. Erst nach einer Weile realisieren die meisten Zugezogenen (und viele Bekannte von mir), dass man mit Bus, Tram und S-Bahn oft schneller am Ziel ist, da sie den gewünschten Ort direkt und ohne Umwege ansteuern. Der Lebensretter in den ersten Zeit ist daher die App “Qando”, die über die schnellsten Verbindungen zwischen zwei Orten inklusive Wegzeit und Fußwegen Auskunft gibt. Wenn man noch kein Gesamtkonzept über den Aufbau Wiens im Kopf hat, ist das wirklich unglaublich hilfreich.

PS: Bitte steht nicht auf der linken Seite der Rolltreppe. Damit lauft ihr Gefahr, von mir und anderen Wienern passiv-aggressive Blicke zu riskieren

3. Auch Wien ist “nur ein Dorf”

Wer gedacht hat, in Wien würde er in vollkommener Anonymität leben (können), der liegt falsch: Wenn du dich innerhalb der innerstädtischen Bezirke oder an anderen Hotspots aufhältst, so kannst du dir fast sicher sein, immer irgendjemanden zu treffen. Ich habe in Wien schon in der U-Bahn, auf offener Straße oder im Turnverein Bekannte von mir gesehen. Und in Gesprächen mit vermeintlich Fremden kommt fast immer heraus, dass man von irgendwo her gemeinsame Bekannte hat. Ja, auch Wien ist im Endeffekt nur ein Dorf 😉

4. Die Stadt im Jahresverlauf

Die Jahreszeiten in Wien sind im Vergleich zu meiner Heimat Linz und vielen anderen mir bekannten Orten sehr intensiv. Um es gleich mal vorweg zu nehmen: Frühling ist für mich (und viele meiner Bekannten) die beste Jahreszeit in Wien. Wunderschöne Blumenarrangements, blühende Kirschbäume und sonnige 15-25 Grad erwarten euch hier von März bis Mai. Die Stadt erwacht zu neuem Leben, wird wieder bunt und zeigt sich von ihrer besten Seite. Wenn ihr einen Urlaub, ein Praktikum oder ein Auslandsemester in Wien plant, dann tut das daher am besten im Frühling, Der Winter hingegen ist wirklich eiskalt und wahrscheinlich nur für Touristen schön, die sich ein Wochenende lang durch den literweisen Putschkonsum bei ihrer Weihnachtsmarkt-Tour durch den 1. Bezirk warm halten. Alle Einheimischen hingegen trotzen dem Eiswind im Freien nur wenn absolut notwendig. Aber keine Sorge, der Sommer wird dafür umso heißer, wenn in der zubetonierten Innenstadt die Hitze förmlich steht. Also nehmt euch keine Dachgeschosswohnung und investiert stattdessen in einen Ventilator. Zum Glück gibt’s viele Bademöglichkeiten wie die Alte Donau, das Karpfenwaldbad oder die Seestadt. Falls ihr auf dem Weg dorthin eine umklimatisierte U-Bahn erwischt, dann freut ihr euch umso mehr auf die kühle Erfrischung. Und ein Tipp am Rande: Die klimatisierten U-Bahnen sind die mit den gelben Haltestangen 🙂

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Zum Glück gibt es Naherholungsgebiete wie die Seestadt

5.  Sportlerstadt Wien

Klar ist man in Wien auf öffentliche Verkehrsmittel quasi angewiesen. Aber dennoch legt man hier vermutlich viel mehr Strecken zu Fuß zurück als im Vorhinein erwartet. Wegen einer Station extrem umsteigen und warten? Da ist man zu Fuß ja eh schneller! Auch innerhalb größerer U-Bahn Stationen legt man oft beachtliche Wege zurück, ohne dass es einem überhaupt auffällt. Und auch bei Stadtspaziergängen entlang des Rings gehen die Kilometer weg wie nix-das zeigt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie, der zufolge die Wiener nach den Tirolern im Durchschnitt die längsten Wege zu Fuß zurücklegen. Also macht euch keine Sorgen, hier im Alltag nicht sportlich aktiv sein zu können.

Bonus-Fact: Die Votivkirche ist nicht der Stephansdom

Eine meiner liebsten Anekdoten aus meiner Anfangszeit in Wien: Ich hatte immer erst um frühestens 18:30 Uni und sah das Schottentor demnach immer nur nach Dunkelheitseinbruch. Dementsprechend glaubte ich ca. einen Monat lang, dass die gotische Kirche, die von der Uni aus zu sehen war der Stephansdom war. Im Nachhinein ein bisschen peinlich, aber immerhin macht es eine amüsante Geschichte für andere-und auch ich kann herzlich über meine Dummheit lachen 🙂

So, das waren meine wichtigsten Tipps für das Leben in Wien. Falls ihr in diese Stadt ziehen werdet, dann wünsche ich euch viel Spaß und Erfolg an eurem neuen Lebensmittelpunkt. Und bei denen euch, die schon länger in Wien wohnen, denke ich, dass ihr euch sicher in dem einem oder anderen Punkt wiederfinden konntet.

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