“Hi I bims 1 saun🍦-es gurl.” So kann sich ein Satz in der Jugendsprache 2017 anhören. Lustig? Auf alle Fälle. Praktisch? Auch, weil kurz. Dennoch: Auf Dauer nichts für mich. Und wahrscheinlich auch nicht für euch. Denn der Trend, zu schreiben wie man redet schadet nach und nach unserer Sprache.

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Ich habe schon immer gern geschrieben. Ich schreibe, seit ich lesen kann und ich lese beinahe seit ich denken kann. Zuerst natürlich auf Deutsch, später kam dann zusätzlich noch Englisch dazu, was mein Teenager-ich als “cooler” empfand. Und ich bin ein Liebhaber von Sprache aller Art. Ich liebe schöne Ausdrücke und lange, komplexe Schachtelsätze. Ich habe meine Familie schon oft damit in den Wahnsinn getrieben, ewig für eine Geschichte zu brauchen, weil ich mich immer wieder selbst ausbessere, wenn mir eine bessere Formulierung einfällt und meine Worte sogar beim Erzählen mit Bedacht wähle. Es ist mir auch bewusst, dass mein Blog hier wegen eben dieser Angewohnheiten etwas schwerer zu lesen ist-kurze, einfache Sätze sind hier eher eine Rarität. Gut möglich, dass ich mehr Leser gewinnen könnte, würde ich anders schreiben. Aber dieser Blog ist meine ganz persönliche Spielwiese, auf der ich das vermitteln will, was unserer Sprache heutzutage oft fehlt: Komplexität.

Alles muss inzwischen schnell gehen, einfach sein. “Gehen wir Billa” (oder im österreichischen Dialekt eher “Gemma Billa”) hört man immer öfter im Alltag, und nicht nur als Herumalberei. Die Entwicklung, dass Sprachen im Laufe der Zeit immer weniger komplex wird, ist eine Tatsache und schlicht der Lauf der Dinge. Zusätzlich verstärkt wird diese Veränderung auch durch unsere globalisierte Welt der Migration, und des ständigen Textnachrichten Schreibens. Die Sprache wird mehr und mehr zum Mittel zum Zweck, da sind lange Schachtelwörter oder die Groß-und Kleinschreibung ja nervig und unnötig…

Natürlich verwende auch ich oft Abkürzungen, Ausdrücke aus der Jugendsprache oder ignoriere die tatsächliche Orthografie. Aber wie meine ehemalige Deutschlehrerin vor ein paar Jahren schon sagte: “Eigentlich haben die Schüler alle Möglichkeiten, so viel wie noch nie zu vor zu schreiben und besser als je davor zu werden-doch es passiert nicht. Eher beherrschen sie die korrekte Sprache schlechter als zuvor.

Und diese Tatsache finde ich sehr schade. Sicher, die immer dynamische Jugendsprache kann man sehr gut spielerisch einsetzen und darüber lachen. Jedoch sollten wir uns darauf besinnen, dass der Einsatz nicht zur Gewohnheit wird und nicht nur die Germanisten auf längere Sicht eher zum Weinen bringt. Denn unsere Sprache ist so vielfältig und vermag so viele feine, nuancierte Gefühlszustände ganz präzise auszudrücken. Vielleicht sollten wir uns einfach mal nur bewusst machen, was wir an unserer Sprache haben. Das erlaubt uns, diesen selbstverständlichen Teil unseres Alltags wieder mehr zu schätzen.

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