Hallo meine Lieben!

Ich befinde mich wieder in Wien, da meine (kurzen) Osterferien nun zu Ende sind. Ich verbrachte zwar mehr als die Hälfte meiner Ferien ebenfalls in Wien, dennoch zeigte mir meine Zeit daheim, wie sehr ich meine Heimatstadt mag. Und da Linz oft noch den Ruf der Stahlstadt hat, die im Schatten von Salzburg, Graz oder Innsbruck steht, wollte ich die Gelegenheit nutzen und all denen, die noch nie hier waren, eine kurze Vorstellung meiner Heimatstadt geben.

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Beim Linzer Schloss, wo man auch einen tollen Blick über die Innenstadt hat

Linz-Was und wo ist das überhaupt?

Zuerst einmal zu den Basic Facts: Linz ist die Hauptstadt von Oberösterreich und liegt streckenmäßig ziemlich genau in der Mitte zwischen Wien, Passau und Salzburg. Eine Lage, die ich sehr zu schätzen weiß: Innerhalb von einer Zugstunde ist man in jedem der drei Orte, und mit dem Auto braucht man je weniger als zwei Stunden nach München und Graz. Außerdem fährt man etwa eine halbe Stunde ins Salzkammergut, dass mit seiner Seen-und Kalkalpenlandschaft besticht und zum Baden oder Wandern gehen einlädt.

Die Stadt Linz selbst wurde von den Kelten ca. 800 vor Christus gegründet und blickt daher auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Durch die Lage an der Donau in einem von Bergen umgebenen Flachland war dieser Ort von strategischer Bedeutung für das antike Volk. Heute hat die Stadt selbst etwas über 200 000 Einwohner , rechnet man die angrenzenden Gemeinden des Zentralraums (Leonding, Pasching, Traun, usw.) dazu, so ist der Linzer Raum mit ca. 750 000 Bewohnern der zweitgrößte des Landes.

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Am Urfahraner Markt, dem 200 Jahre alten Volksfest der Stadt

Nazionalsozialistische Prägung und dunkle Vergangenheit

Nun mache ich einen großen Sprung in die jüngere Vergangenheit der Stadt, denn diese war sehr bewegt. So nahm 1934 der österreichische Bürgerkrieg in Linz bei einer Waffenkontrolle in der Parteizentrale der sozialdemokratischen Partei seinen Anfang, was die Stadt zu einem der Hauptschauplätze des Krieges machte.

Der junge Adolf Hitler wuchs in Leonding, einem der bereits erwähnten Linzer Vororte auf, ging in der Stadt und verbrachte hier den Großteil seiner Jugend. Dies ist zwar sicherlich nicht das schönste Kapitel der mehrere tausend Jahre langen Geschichte der Stadt, beeinflusst sie aber bis heute. Denn Hitler betrachtete Linz neben München, dem Ort seiner Machtergreifung, als seine Lieblingsstadt und hatte vor, sie zum kulturellen Zentrum seines Reiches zu machen. So führte er sie zu einer der fünf “Führerstädte” und hatte auch vor, in Linz seinen Lebensabend zu verbringen. . So ließ er eine Vielzahl an Wohnhäusern am Spalierhof und am Bindermichl errichten, die auch heute noch unter der Einheimischen-Bezeichnung “Hitlerbauten” Teile des Stadtbildes prägen. Des Weiteren wurden unter Hitler am Hauptplatz an der Donau zwei Zwillingsgebäude als geplantes “Führermuseum erbaut und einige der bis heute wichtigsten Industrieunternehmen wie die Voestalpine oder Chemie Linz gegründet. Daher war Linz neben Wien die zweite österreichische Stadt, die im zweiten Weltkrieg von den Alliierten Fliegern gebombt wurde. In den städtischen Waldgebieten, etwa im Ebelsberger Wald, sind die Bombenkrater als Konsequenz dieser Angriffe noch immer sichtbar.

Nach dem Krieg wurde die Stadt entlang der Donau geteilt: Das Gebiet oberhalb der Donau (Urfahr) war in sowjetischer, der Stadtteil südlich der Donau in Hand der Amerikaner. Wer die Donaubrücken überquerte, brauchte extra dafür einen Ausweis und wurde von den alliierten Soldaten kontrolliert. Glücklicherweise konnte die angespannte Situation zwischen den Sowjets und den Amerikanern in Österreich besser gelöst werden als in Deutschland, sonst hätte die Stadt ein ähnliches Schicksal wie Berlin ereilen können.

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Beim Ars Electronica Center, einem der Gebäude des modernen Linz

Und heute?

Heute gehört die der Linzer Zentralraum zu den wirtschaftlich stärksten Gebieten Österreichs und auch ein Wandel von der verstaubten Stahl- zu einer modernen Stadt hat sich vollzogen. So war Linz im Jahr 2009 europäische Kulturhauptstadt und wurde im vergangenen Jahr vom britischen Guardian zu einem der Top 10 alternativen Reiseziele in Europa geführt.

Wieso Linz?

Doch was macht die Stadt für mich aus? Die Kombination aus historischer Altstadt und modernen Glasfassaden entlang der Donaulände? Die vielen Parks und Grünflächen? Zwar finde ich diese Orte alle wirklich schön und auch sehenswert, doch das Essentielle an Linz ist für der Vibe, die Atmosphäre, die die Stadt ausstrahlt. Denn im Vergleich zu Wien oder Salzburg ist Linz keines der Standard-Touristenziele und ist daher nicht voller wunderschöner Gebäude, die Touristen in Entzücken versetzen. Wenn ich beispielsweise in der Salzburger Innenstadt bin, finde ich diese zwar architektonisch unglaublich schön, jedoch sehe ich dort kaum Einheimische, Individualität oder Charakter-die Stadt fühlt sich für mich glatt und umauthentisch an. In Linz hingegen ist man fast ausschließlich von Locals umgeben, man merkt, dass hier gelebt wird. Und diese Authentizität schätze ich an Linz.

Bald werde ich in einem separaten Post meine liebsten Plätze und “To-do’s” in Linz präsentieren, in diesem Artikel wollte ich nur das Lebensgefühl und die Besonderheiten der Stadt einfangen. Es kann gut sein, dass andere Linzer auch ganz andere Assoziationen mit unserer Stahlstadt mit all ihren Widersprüchen haben, dies ist nur wie ich sie erlebe. Ich hoffe sehr, ich habe vielleicht dem einen oder anderen Lust darauf gemacht, mal einen Tagesausflug nach Linz zu machen-meiner Meinung nach ist es das wirklich wert.

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Die Donaulände bei Nacht

Zu guter Letzt würde ich gerne von meinen Lesern, die entweder aus Linz sind oder schon mal hier waren wissen, was ihr Eindruck von der Stadt ist. Teilt ihr meine Ansicht oder habt ihr Linz ganz anders erlebt? Ich bin wirklich gespannt auf eure Meinungen. 

 

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