Hallo ihr Lieben 🙂

Ein englisches Sprichwort sagt so schön “Travelling broadens the mind”-und dem stimme ich sehr vehement zu. Hat man einmal ein anderes Land, eine andere Kultur und Lebensweise erlebt, so ist das wie ein Schalter, der sich umschaltet und nicht mehr zurückgedreht werden kann. Während mir meine Reise nach New York sehr stark dabei geholfen hat, Unabhängigkeit und Selbstsicherheit zu erlangen, so hat mich mein Aufenthalt in Südafrika in meinen Werten und meinem Weltverständnis herausgefordert. Ich bekam so unglaublich viele neue Eindrücke vermittelt, die ich erstmal verarbeiten musste und um ehrlich zu sein immer noch verarbeite. Ich weiß, wahrscheinlich klinge ich wie eine dieser stereotypischen “Lisas, die 3 Monate in Australien waren” und jetzt unsere Welt und Gesellschaft kritisieren und sich moralisch überlegen fühlen.

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Mein Urlaub war mehr für mich als nur atemberaubende Natur

Aber nein, darauf will ich nicht hinaus. Südafrika ist teilweise ein modernes Land, und in Kapstadt gibt es coole Clubs und hippe Cafés. Doch abseits dieser schönen, “westlichen” Fassade wurde ich das erste Mal in meinem Leben mit wirklicher Armut konfrontiert. Es sind nur kleine Details am Rande, die man als Bewohner einer guten Gegend mit prachtvollen Häusern mit Privatpool im Garten mitbekommt und die an der unbeschwerten Fassade kratzen: Ein Radiobericht, in dem nebenbei erwähnt wird, dass der Mindestlohn hier 20 Rand, also knapp 1,25€ beträgt-bei ähnlichen Lebenshaltungskosten. Erzählungen anderer Touristen, dass hier regelmäßig sämtliche Müllsäcke von der armen Bevölkerung gestohlen werden-in der Hoffnung, irgendetwas Essbares zu finden. Oder eine mehr als 100 000 Personen fassende”Siedlung” aus Wellblechhütten außerhalb der Stadt, an der man mit dem Auto vorbeifährt.

Hippe Cafés und moderne Shoppingmalls-auch das gibt es in Kapstadt

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Hippe Cafés-auch das gibt es in Kapstadt

Ja klar, natürlich war es mir schon immer bewusst, dass solche Situationen die Realität vieler Länder und Menschen abbilden. Aber zum ersten Mal in der Realität und nicht nur in den Medien damit konfrontiert zu werden, macht einen mehr als nur erheblichen Unterschied. In den Nachrichten hören wir täglich von Krieg, Hunger, Armut-daher sind wir es direkt schon gewohnt und haben uns für solche Ereignisse desensibilisiert. Das ist auch völlig verständlich und ein natürlicher Schutzmechanismus-immerhin wären wir ansonsten dauerhaft betrübt und hätten wohl keine Freude mehr am Leben.

Dennoch hat es mir gut getan, meine Blase, in einem der reichsten Länder auf unserem Planeten zu wohnen, einmal für kurze Zeit zu verlassen und in eine andere Welt einzutauchen. Vielen Menschen in Südafrika geht es auch wirklich gut und ich würde nicht sagen, dass eine dieser “Welten” besser oder schlechter ist-sie sind einfach anders. Die Leute hier haben oder hatten Probleme, mit denen ich noch nie konfrontiert war und deren Existenz ich mir zuvor nicht einmal bewusst war. Eltern, die auf der Straße landen. Aus dem eigenen Haus vertrieben werden, weil der Bezirk niedergebrannt werden soll. Aus finanziellen Gründen in keine höhere Schule gehen können.

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Brad, mein Guide, der zu einem guten Freund wurde. Hättet ihr erraten, dass sein Vater bis vor kurzem auf der Straße gelebt hat und er selbst aus Armut in keine höhere Schule gehen konnte?

Auch Wochen nach meinem Aufenthalt denke ich an die Konversationen mit den Menschen zurück, für die diese Probleme bittere Realität waren-Menschen wie du und ich, die lediglich in schlechtere Verhältnisse hineingeboren wurden. Was ich mit diesem super melancholischen Text sagen möchte: Traut euch, unsere privilegierte Welt und die eingezäunten All Inclusive-Hotelanlagen einmal für kurze Zeit zu verlassen. Die wirklichen Urlaubserlebnisse warten dort und bringen einem Erinnerungen, die wahrlich länger halten als Strandfotos und die Sonnenbräune.

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