Hallo meine Lieben!

Während ich diesen Text schreibe, befinde ich mich gerade im Flieger zurück Richtung Wien. Ich habe nämlich die letzten 4 Tage bei meiner Freundin Zuzanna in Warschau verbracht, um mit ihr ihren 18. Geburtstag feiern zu können. Und natürlich blieb noch Zeit, sich nebenbei ein wenig die Stadt anzusehen. Das Erste, was mir in Warschau auffiel, war wie groß die Stadt eigentlich ist. Später wurde  mir gesagt, die Stadt sei-zumindest was die Stadtgrenzen ohne Vorstädte betrifft- dreimal so groß wie Paris. Ein beeindruckender Wert. Daher legten wir die meisten Strecken mit Auto oder Taxi zurück. Denn das öffentliche Verkehrsnetz Warschaus ist im Vergleich zu Wien weniger gut ausgebaut, die vor ca. 10 Jahren eröffnete U-Bahn verfügt derzeit lediglich über 2 Linien, die über die Innenstadt nicht hinausgehen. Für Taxis (meine Freundin empfahl mir die Firma “SAWA Taxi”). Im Vergleich zum deutschsprachigen Raum sind sie hier wirklich leistbar-in die Innenstadt zu fahren kostete 20 Zloty, was umgerechnet ca 5 Euro entspricht. In Wien, London oder New York zahlt man beinahe so viel für ein U-Bahn Ticket.

Die zweite Sache, die ich anmerken muss, ist die Freundlichkeit der Menschen hier in Polen. Ich fühlte mich hier an die mediterranen Länder wie mein geliebtes Spanien erinnert-alle Leute, die ich hier traf, waren sehr gastfreundlich, zuvorkommend und nahmen einen sofort in ihre Runde auf. So fühlte ich mich ziemlich schnell wie daheim und als Teil der Gruppe, was für mich ein wirklich wichtiger Faktor ist. Zu oft vergeht an den sehr touristischen Orten wie London oder Paris der gesamte Aufenthalt, ohne dass man Kontakt mit der lokalen Bevölkerung hat. In Polen muss man sich hier keine Sorgen machen, sie freuen sich, mit Touristen zu reden und ihnen die eine oder andere Info zu geben.

An dieser Stelle muss jedoch gesagt sein, dass die Polen nicht unbedingt über das beste Englisch verfügen-meine Taxifahrer z.B. beherrschten nicht einmal die Basics. Daher rate ich unbedingt an, zumindest ein paar Phrasen Polnisch zu lernen oder ein kleines Reisewörterbuch bei sich zu haben-ansonsten könnte man das eine oder andere Mal Verständigungsschwierigkeiten haben. Die jüngere Generation verfügt tendenziell über ein besseres Englisch und viele lernen Deutsch als zweite Fremdsprache. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ihr Deutsch, sofern vorhanden, oft sogar besser ist als ihr Englisch.

Aber nach diesem langen Intro nun endlich zu den Orten, die ich besucht, und den Dingen, die ich getan habe.

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Auch in Warschau wird es langsam weihnachtlich

Am Freitag, dem 25. November, fuhr ich direkt von der FH aus zum Wiener Flughafen, um keine Zeit zu verlieren und möglichst bald in Warschau zu sein. Die Flugzeit ist mit 1:05 ziemlich kurz, also für einen Wochenendtrip ideal. Allerdings sind die Flugtickets nach Warschau nicht gerade billig. Meine Freundin Zuzanna erzählte mir, dass sich die Headquarters der meisten Firmen, die auch Polen mitverwalten, in Wien oder Zürich befinden. Daher sind diese beiden Destination die teuersten in Europa, die man von Warschau aus anfliegen kann-die Firmen zahlen den teureren Betrag für ihre Mitarbeiter so oder so. Pech für mich-wer auf sein Budget achten will, kann stattdessen mit dem Nachtzug (Dauer: ca. 8 Stunden) oder dem Fernbus (Dauer: ca. 12 Stunden) für jeweils ca. 30 Euro pro Strecke fahren. Wäre ihr während der Ferien nach Warschau gereist und hätte dementsprechend mehr Zeit gehabt, so hätte ich wahrscheinlich auf eine der beiden Optionen zurückgegriffen. Da dies nur ein Wochenendtrip war und ich unbedingt zur großen Geburtstagsparty am Freitag Abend kommen wollte, entschied ich mich für die schnellere Variante. Das Geld, das man für die Anreise ausgibt, holt man jedoch leicht wieder bei den niedrigeren Lebenshaltungskosten herein. So zahlte ich in einem sehr zentralen, beliebten Restaurant umgerechnet weniger als 7€ für eine Hauptspeise plus Getränk.

In Polen angekommen, nahm ich ein Taxi vom Flughafen zur Partylocation etwas außerhalb Warschaus, da die Feier bereits etwas früher begonnen hatte. Dort wurde ich gleich herzlich empfangen-wie oben schon erwähnt, die Polen sind ein äußerst herzliches und freundliches Volk. Hier wurde ich auch mit ihrer Trinkfreude konfrontiert-dieses Klischee ist definitiv wahr 😉 An sich lief die Feier ab wie jede Hausparty im deutschsprachigen Raum. Da es sich hier um einen achtzehnten Geburtstag handelte, wurde ich um Mitternacht auch Zeuge eines polnischen Rituals bei Erreichen der Volljährigkeit: Das Geburtstagskind muss sich über einen Stuhl legen und wird dort festgehalten, während alle Freiwilligen unter den Gästen ihre Gürtel ausziehen und dem Jubilar (egal ob Mädchen oder Junge) damit insgesamt 18 Schläge auf die Kehrseite verpassen-für jedes Jahr einen. Ich muss zugeben, bei der Aktion schwer zusehen zu können, da ich mit meiner Freundin mitlied. Vor Schmerz schrie sie ca. ab dem 7. Schlag laut auf, und am nächsten Tag war sie mit blauen und lila Flecken übersäht. Nicht unbedingt eine Tradition für mich,allerdings gibt es auch in Österreich so manche Bräuche, für die man im Ausland entgeistert angesehen wird-Stichwort Perchtenlauf. Nachdem wir den Geburtstag kräftig und bis in die späte Nacht gefeiert hatten, fielen wir in den frühen Morgenstunden, mit einer Menge neuer Eindrücke ausgestattet, erschöpft in unsere Betten.

Am nächsten Morgen (oder eher Mittag) machten ich, das Geburtstagskind und eine weitere Freundin, Florence, die ich am Freitag kennengelernt und sofort ins Herz geschlossen hatte, uns auf in die Innenstadt. Dort zeigte Zuzia uns zuerst die Universität Warschau, die sich direkt im Zentrum befindet und mich an die wunderschöne Wiener Universität erinnerte. In der selben Straße befand sich auch der Präsidentenpalast, den wir auf diesem Wege auch gleich sahen. Anschließend spazierten wir in die Altstadt, die mit ihren kleinen, bunten und liebevoll verzierten Fassaden einfach entzückend  anzusehen war. Dementsprechend viele Bilder schoss ich dann auch. Vom Hauptplatz aus ging es durch die engen Straßen zum Marktplatz, der mit ähnlicher Architektur bestach. Auf diesem wird im Winter anstelle der üblichen Brunnenfontäne ein Eislaufplatz aufgebaut, der dazu einlädt, in zauberhafter Kulisse seine Runden zu drehen. Die weihnachtliche Beleuchtung tat ihr Übriges dazu, dass ich (endlich!) so langsam in Weihnachtskimmung komme. Wir kamen an zahlreichen Kirchen vorbei (Polen ist ein sehr katholisches Land), bevor wir die erhalten gebliebenen Überreste der Warschauer Stadtmauer erreichten. In der Vergangenheit war die (Innen)Stadt durch ihre erhöhte Lage und gute Befestigung nur sehr schwer einsehbar gewesen. Hier schossen wir zahlreiche Erinnerungsfotos, unter anderem mit Zuzias Polaroidkamera.

Danach stärkten wir uns erstmal mit Piroggen, einer polnischen Spezialität, die den deutschen Maultaschen und den italienischen Ravioli stark ähnelt. Hierzu kehrten wir in ein polnisches Restaurant direkt im Zentrum ein, das sehr traditionell eingerichtet war und in dem die Kellnerinnen traditionelle (etwas gekürzte) Trachten trugen. Aufgrund der großen Popularität des Restaurants mussten wir etwas auf unseren Tisch warten, doch das leckere und kostengünstige Essen (die oben erwähnten weniger als 7€ für eine Portion Piroggen plus Getränk) machte das mehr als wett. Die Temperaturen draußen wäre weniger einladend, daher flüchteten wir in eine der zahlreichen Filialen des Café Nero, wo wir in gemütlicher Atmosphäre den restlichen Nachmittag verbrachten.

Am Abend-oder sollte ich lieber sagen in der Nacht- ging es dann nochmals in die Innenstadt, um das Warschauer Nachtleben auszutesten. Obwohl ich gelegentlich ganz gern ausgehe, trinke ich normalerweise wenig bis gar nichts. Groß wurden da meine Augen, als die Gastgeberin uns in eine Shotbar (1€ pro Shot) führte und für uns drei eine “Rainbow-Palette” mit 10 Shots bestellte. Da Wodka ein Teil der polnischen Kultur ist, trank ich diese auch sogleich, als ich daraufhin gefragt wurde, welchen Shot ich als nächstes ausprobieren wolle, setzte ich aber nach dem Aufwenden einiger Überzeugungskraft aus. Da der Club, in den wir gehen wollten, erst um Mitternacht öffnete, verließen wir das Haus erst kurz nach Mitternacht. Nach unserem kleinen Abenteuer in der Shotbar war es dann schon beinahe 1,dann mussten wir noch eine halbe Stunde vor dem In-Club anstehen sowie weitere 20 Minuten, um unsere Jacken abzugeben. Kurz vor 2, zu einer Zeit, zu der ich daheim meistens schon nach Hause fahre, waren wir dann also endlich wirklich im verheißungsvollen Club. Die Stimmung im Inneren war wirklich top, und im Vergleich zu den Österreichern waren die Polen beim Tanzen eindeutig kreativer und experimentierfreudiger. Hier wurde wirklich mit vollem Herzen und Körpereinsatz getanzt, was die heimischen Standardmoves “Vom-linken-auf-den-rechten-Fuß-steigen”und “Hüpfen-und-dazu-die-rechte-Faust-in-die-Luft-strecken” ziemlich blass aussehen ließ. Dafür sagte mir die Musik weniger zu als in meinen Stammclubs, da die einzelnen Songs vom DJ für meinen Geschmack jeweils zu kurz angespielt wurden. Als wir eine Pause brauchten, gingen wir ins Erdgeschoss des zweistöckigen Gebäudes, wo wir uns im mit Heizstrahlern gewärmten Freiluftbereich bei einem Bier erholten. An dieser Stelle stießen ein paar von Zuzias Freunden, die an dem Abend ebenfalls im selben Club waren, zu uns. Nach einiger Zeit machten sich diese auf den Heimweg, denn inzwischen war es schon 4 Uhr morgens. Dafür überließen sie uns ihre Bändchen für den VIP Bereich. Wenn sich diese Gelegenheit schon bot, dann mussten wir sie auch nutzen-und so tanzten wir auch dort noch mehr als eine Stunde lang, bis unsere Beine müde waren. Kurz nachdem wir in den VIP Bereich gekommen waren, spielte der DJ den Song “Empire State of Mind”, DIE New York Hymne. Wie passend, da wir uns ja in New York kennengelernt hatten. Als wir uns gegen halb 6 Uhr morgens in unser Taxi setzten, waren wir alle hundemüde, aber glücklich-so wie es sein sollte 😉

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Nachdem wir die vergangenen zwei Tage sehr viel Programm gemacht hatten, ließen wir es am Sonntag ruhiger angehen. Wie auch am Tag davor schliefen wir aus, was bei der Uhrzeit, zu der wir zu Bett gegangen waren, denke ich verständlich ist. Auch an diesem Nachmittag fuhren wir wieder in die Innenstadt, genauer gesagt zum Kulturpalast, dem Wahrzeichen Warschaus. Dieser wurde Polen in den 1950er Jahren von ihrer sowjetischen Schutzmacht “geschenkt” und hieß ursprünglich auch nach dem sich damals an der Macht befindlichen Sowjet “Josef-Stalin-Kultur-und-Wissenschaftspalast” genannt. Das im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtete Bauwerk erfreut sich bei der Bevölkerung keiner großen Beliebtheit, obwohl es das höchste in ganz Polen und definitiv ein Hingucker ist. Für die Einheimischen steht es als Symbol für die totalitäre Unterdrückung während des kalten Krieges, wird heute jedoch allgemein als Wahrzeichen anerkannt. Der Kulturpalast beherbergt neben einer Aussichtsplattform unter anderem einige Kinos, ein Schwimmbad sowie mehrere Theater und Museen. Als wir dort ankamen, ging gerade die Sonne unter und ich hatte das Glück, einen spektakulären Shot der Warschauer Skyline ergattern zu können. Anschließend bummelten wir noch ein wenig durch die dort ansässigen Geschäfte und setzten uns wieder auf ein Getränk in unser inzwischen zum Stammcafé gewordenen Café Nero, bevor wir Florence zum Flughafen brachten, da sie bereits am Sonntag abreisen musste. An diesem Tag gingen wir früher schlafen als zuvor, was auch bitter nötig war. Und auch meinen letzten Tag in Warschau, den Montag, verbachte ich eher ruhig mit Zuzanna und ihren Freunden zuhause-echte quality time, schließlich sehen wir uns ja durch unsere verschiedenen Wohnorte nur selten.

Der Abschied am Abend fiel uns natürlich dementsprechend schwer, allerdings ist ein Gegenbesuch in Wien bereits in Planung. Mein genereller Eindruck von Warschau ist, dass die Stadt ein bunter, aber harmonischer Mix aus Altstadt, kommunalen Bauten und modernen Glasfassaden ist. Sie ist schwer mit einem Wort zu beschreiben und lässt sich auch schwer über einen Kamm scheren. Mir gefiel es sehr gut, dass Warschau keine besonders touristische Stadt ist, und man daher das Flair gut mitbekam, ohne dass dies durch Mengen an Besuchern aus dem Ausland verfälscht wird. Polen als Reiseziel ist ein wirklicher Geheimtipp, da es bei noch relativ günstigen Preisen und touristischer Unberührtheit eine Menge Kultur zu bieten hat. Daher bleibt mir zum Schluss nur noch zu sagen podziękować i do zobaczenia!”

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