Hallo meine Lieben!

Wer mir auf Instagram folgt, der hat vielleicht mitbekommen, dass ich im Zuge meines New York Aufenthalts auch einen Ausflug nach Boston und Harvard unternommen habe. Zwei Tage dauerte unser Wochenendtrip nach Massachusetts, wo ich den historischen Kern der USA, quasi dort, wo alles begann, erkundete. 

Die Busfahrt von New York nach Boston dauerte gute 5 Stunden, wobei hier auch ein Stop bei einer Raststation (wo das Essen mal wieder zu Wünschen übrig ließ) inbegriffen ist. Veranstaltet wurde der Trip von American International Tours, die bereits meinen Ausflug zu den Niagara Fällen organisiert hatten. Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch dieses Mal war ich wieder höchst zufrieden und kann es nur empfehlen, hier eine Tour zu buchen 🙂

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Gleich nach unserer Ankunft in Boston machten wir einen Spaziergang durch die historische Altstadt auf dem Beacon Hill. Dort konnten wir unter anderem einen Blick auf die angeblich älteste Straße/Gasse der USA werfen und die US-untypische Architektur ansehen. Hierzu ein kleiner geschichtlicher Exkurs: Während etwa in New York die Niederländer landeten und dort ihre Siedlungen errichteten (daher hieß es zuerst auch New Amsterdam), kamen die Briten, bedingt durch die geografische Lage des Landes, mit dem Schiff weiter nördlich an und gründeten dort mit Boston ihren ersten Stützpunkt auf dem neuen Kontinent. Daher mutet die ganze Stadt mit ihren niedrigen, verspielt-verzierten Gebäuden auch eher englisch als amerikanisch an, was als Kontrast interessant zu sehen war. Während viele Amerikaner laut eigener Aussage von Boston total begeistert sind und es ihre Lieblingsstadt nennen, haut es einen als Europäer kurz gesagt wahrscheinlich nicht um, da wir diese Art von Stadt im Gegensatz zu ihnen gewohnt sind. Was Boston an dieser Stelle aber keinesfalls diskreditieren soll, die Stadt ist und bleibt trotzdem eine schöne.

Nachdem unsere Gruppe die obligatorischen Fotos auf Beacon Hill geschossen hatte, spazierten wir ein Stück entlang des “Freedom Trails”. Dieser von einer durchgezogenen roten Linie am Gehsteig markierte Weg führt vom größten Park Bostons, dem Boston Common, durch die gesamte historische Stadt über den Charles River bis zum Bunker Hill Monument. Für Besucher, die nur kurz in der Stadt verweilen und sich trotzdem einen guten Überblick machen wollen, kann ich diesen Rundgang daher nur wärmstens empfehlen. Wir gingen nur einen Bruchteil des 4km langen Weges ab und wurden von unserem Guide zwischen den beiden größten Parks der Stadt, dem Boston Common und dem (wesentlich schöneren) Boston Public Garden, entlassen, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.

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Zuerst zog es uns in die Hauptbibliothek der Stadt, die bereits von außen beeindruckend auf uns gewirkt hatte. Der innere Eindruck stand dem in nichts nach, wir fühlten uns in den riesigen Lesesälen sogleich an Harry Potter erinnert. Außerdem bekam ich hier ein paar Nerd Credits, als ich-zum Staunen von ein paar Amerikanern-die lateinische Inschrift über einer Tür übersetzte. Da haben sich vier Jahre auf wenig Gegenliebe stoßender Latein Unterricht am Ende doch ausgezahlt 😉 Generell kann ich es Low Budget Touristen (auch Studenten genannt) wärmstens empfehlen, an den besuchten Orten immer die Bibliothek aufzusuchen. Bibliotheken sind im Allgemeinen gratis und meist typisch für die Stadt sowie sehr schön anzusehen.

Anschließend gingen wir die größte Shoppingstraße Bostons, die Newbury Street, hinunter, die mit ihren roten Ziegelhäusern auch gut die Kulisse einer britischen Romantikkomödie sein könnte. Hier fanden sich alle geläufigen Geschäfte, die man in jedem amerikanischen Fashion District erwartet, etwa Snipes, Abercrombie oder Victoria´s Secret. Da wir nicht besonders viel Zeit für eine so große Stadt zur Verfügung hatte, zogen wir es allerdings vor, anstatt zu shoppen lieber noch mehr von Boston zu sehen. An das Ende der Newbury Street grenzte der vorhin schon erwähnte Boston Public Garden, in dem wir eine kurze Pause zum Ausruhen einlegten. Der Park war sehr niedlich und gut gepflegt, besonders der dort angelegte Teich wusste mich zu entzücken. Darin schwammen nicht nur echte Enten und Schwäne, man konnte das Gewässer auch in einem der für die Stadt typischen Schwanboote durchqueren, was wir jedoch nur vom Ufer bestaunten, da wir das dafür nötige Kleingeld nicht aufbringen wollten. Am Rande des Parks befindet sich auch die aus der gleichnamigen Kultserie berühmte “Cheers Bar”, die für Fans der Serie natürlich Pflichtprogramm ist. Zuletzt schlenderten wir noch durch die Straße des Theater Districts und Chinatowns, doch beides war relativ unspektakulär und ist keineswegs ein Must-See. Damit war unser erster Nachmittag auch schon vorüber und die gesamte Gruppe traf wieder zusammen, um unser Hotel zu beziehen.

Nachdem wir uns in unserem 4er Zimmer in einem Hotel der zur Hilton Kette gehörenden Hampton Suites frisch gemacht hatten, machten wir uns hungrig auf zum Quincy Market, Bostons größtem Essensmarkt. Sowohl innerhalb der Halle als auch davor konnte man an Ständen sowie in richtigen Restaurants speisen. Da Boston am Charles River gelegen ist, liegt das Hauptaugenmerk des Marktes auf Meerestieren, was für eine Vegetarierin natürlich eher suboptimal ist. Generell muss ich sagen, dass der Quincy Market zwar teuer war, qualitativ hingegen keine Offenbarung und im Vergleich zu La Boqueria in Barcelona oder dem New Yorker Chelsea Market noch einiges aufzuholen hat. Was mir aber richtig gut gefallen hat war die Atmosphäre am abendlichen Markt: Viele Menschen bummelten über die Straßen, alle Bäume waren mit Lichterketten beleuchtet und lokale Straßenmusikanten begleiteten das Geschehen. In einem Comic Shop erstand ich noch ein Game of Thrones-T Shirt, bevor es zurück ins Hotel ging, wo wir erschöpft in unsere Betten fielen.

Schon um 7 Uhr morgens klingelte am nächsten Tag der Wecker-viel stand auf dem Programm. Während ein Teil der Gruppe zum Whale Watching aufbrach, besuchte der Rest von uns-mich eingeschlossen- zuerst die katholisch St. Stephen´s Church und anschließend die “Constitution”, das älteste sich in Betrieb befindende Schiff der USA. Diese ist bereits seit 1797 im Einsatz und somit beinahe so alt wie die Vereinigten Staaten selbst. Auch in das dazugehörige Museum gingen wir, welches besonders über den Krieg von 1812 Infos lieferte.

Danach überquerten wir den Charles River, der Boston von Cambridge trennt, und machten uns auf zum Campus der weltberühmten Harvard Universität. Wie am Tag zuvor erkundeten wir auch diesen auf eigene Faust. Im Gegensatz zum Vortag zeigte sich der amerikanische Rekordsommer heute von seiner erbarmungslos Hamiden Seite, was das Besichtigen um einiges erschwerte. Selbst meine Freundin aus Madrid, Spanien, klagte, mit so einer schwülen Hitze nicht umgehen zu können-also lag es nicht nur an meinen nordischen Genen 😉 Da wir Harvard an einem Sonntag in den Ferien besuchten, waren leider die Bibliotheken der Universität allesamt geschlossen. Die Harvard Art Gallery hatte jedoch geöffnet und dank unseres jugendlichen Aussehens kamen wir sogar gratis hinein. Unsere Augen weiteten sich, als wir sahen, dass hier Werke Picassos, Monets und Van Goghs ausgestellt waren. Ursprünglich waren wir ohne besondere Erwartungen und in Hoffnung einer Klimaanlage in das Gebäude eingekehrt, so einen Reichtum an Werken hätten wir uns auf keinen Fall erwartet. Auch der Museumsaufseher freute sich über unsere leidenschaftliche Begeisterung und drückte deshalb ein Auge zu und ließ uns-ohne blitz wohlgemerkt- die wertvollen Stücke fotografieren.

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Ansonsten schlenderten wir über das weitläufige Gelände der Studentenstadt, deren Campus selbst über Modegeschäfte wie Urban Outfitters verfügt, aßen in einem Studentenimbiss so günstig wie wir es in den USA gar nicht gewohnt waren und kauften die als Souvenir heiß begehrten Hoodies der Universität. Ich selbst musste zwei Freundinnen einen davon mitbringen und kaufte für mich ein V-Neck T-Shirt. Ein beliebtes Fotomotiv für Touristen ist die Statue John Harvard´s, dessen linken Fuß viele für ihr Bild berühren. Davon wurde uns allerdings von unserer Gruppenleitung abgeraten, da viele männliche Harvard Studentenich einen Spaß daraus machen, ihre Genitalien an diesem bei Touristen so populären Platz zu reiben.

Nach Harvard machten wir noch einen kurzen Stopp beim MIT (Massachusetts Institute of Technology), welches sich direkt am Charles River befindet, bevor es mit dem Bus wieder Richtung New York ging.

Boston ist eine süße Stadt, die man sich, wenn man sich an der Ostküste befindet, sicherlich ansehen sollte. Wie ich bereits erwähnt habe war es für mich persönlich jetzt aber kein Highlight und stand im Vergleich zu New York, dem wahnsinnig tollen Trip zu den Niagara Fällen und Toronto und unseren europäischen Städten eher im Schatten. Mir wurde bewusst, wie glücklich wir Europäer uns mit unserer langen und reichen Geschichte und Kultur schätzen können, wenn ein amerikanischer Guide mal wieder enthusiastisch verkündete, dieses Gebäude sei bereits im 18 Jahrhundert errichtet worden. So etwas kostet mir, deren Stadt 800 vor Christus von den Kelten gegründet wurde, nur ein Lächeln. Wenn die Stadt mich zwar nicht mit ihrer angepriesenen Historie überwältigen konnte, so gefiel mir die Stadt mit ihren vielen Grünflächen als junger, durch die vielen Studenten dynamischer Ort mit einer guten Lebensqualität. Ich werde diesen Ausflug, natürlich auch wegen des vielen Spaßes, den ich dort mit den anderen, besonders meiner lieben Alissa und unseren französischen Nachbarn hatte, noch lange in guter Erinnerung behalten.

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