Hallo meine Lieben!

Ich befinde mich gerade auf der (langen) Busfahrt von den Niagarafällen „heim“ nach Tarrytown, New York. Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört, ich habe mich dort inzwischen so sehr eingelebt, dass es sich für mich so anfühlt, als würde ich nach Hause zurückkehren. Der Ort, der Campus, die Menschen-es passt einfach alles total gut.

Aber nun will ich versuchen, zumindest diesmal ohne Umschweife zum eigentlichen Thema dieses Posts zu kommen-meinem Wochenendtrip ins wunderschöne Kanada. Als der Ausflug angeboten wurde, fackelte ich nicht lange und ergriff diese womöglich einzigartige Chance, diesen magischen Ort zu besuchen. Da es in der Gegend sehr viel zu sehen gibt und die Anreise auch ihre Zeit braucht, war der Treffpunkt zur Abreise bereits am Freitag um 11, wobei noch sicher 2 weitere Stunden vergingen, bis wir eine Gruppe anderer Sprachschüler aus Central Manhattan (wo der Verkehr Freitag Mittags ein wahrer Alptraum ist) abgeholt hatten und auf dem Driveway (der amerikanischen Autobahn) waren. An dieser Stelle möchte ich mich im Vorhinein für mögliche Fehler in diesem Text entschuldigen, aber die konstante Konfrontation mit der englischen Sprache hinterlässt auch bei mir ihre Spuren und mein Deutsch geht nicht so einfach von der Hand wie üblich.

Die-eine halbstündige Pause miteingerechnet-zehnstündige Fahrt zu den Niagarafällen gestaltete sich weit weniger schlimm als ich und die anderen befürchtet hatten, da ich das Glück hatte, eine Gruppe erwischt zu haben, die aus netten, respektvollen und pünktlichen Leuten bestand. Niemand drehte seine Musik so laut auf, dass er andere gestört hätte, ließ seinen Müll im Bus zurück oder ließ die Gruppe durch Verspätung auf sich warten. Ich muss nämlich zugeben, dass das eine der Sachen ist, die ich überhaupt nicht aushalte: Von anderen aufgehalten zu werden, wenn diese unpünktlich sind. Ich vermute, dass das an meinen deutschen Genen liegt. Ich plane meine Zeit penibel durch, um auch keine Sekunde unnütz zu verschwenden. So gehe ich immer genau so zum Bus, dass ich 1-2 Minuten vor seiner Ankunft die Station erreiche. So schaffe ich es tatsächlich immer, ohne unnötige Wartezeiten meine Ziele zu erreichen. Wahrscheinlich treibe ich damit manche Leute in den Wahnsinn, aber bisher bin ich immer gut mit dieser Strategie gefahren 😉

Um halb 11 Uhr abends, nach 10 Stunden Fahrt und einer der ekeligsten Mahlzeiten meines Lebens kamen wir endlich bei den Niagarafällen an. Ich muss noch zu meinem „Essen“ ein paar Worte verlieren: Ich hatte einem cheesy rice and been Burrito von Taco Bell für 1 US-Dollar-und dieser billige Preis machte sich bemerkbar. Gefühlte ¾ des Burritos bestanden rein aus der labrigen, gefalteten Tortilla, und den Rest machte eine käsige Masse mit einer undefinierbaren, braun-orange-gräulichen Farbe aus. Was auch immer das war, es handelte sich sicher um keinen Käse. Nach ein paar Bissen wurde mir übel, sodass ich aufgab und den Burrito entsorgte. Dazu soll gesagt sein, dass ich es normalerweise hasse Lebensmittel wegzuwerfen, aber da es sich hierbei wohl nicht einmal um ein Lebensmittel im engeren Sinne handelte, ergriff ich diese drastische Maßnahme. Als wir die kanadische Grenze, die direkt an den Fällen verläuft, überschritten, unseren Visastempel bekam und die bunt leuchtenden Farben des kanadischen Teils sahen, kam ein richtiges Urlaubsgefühl in mir auf. Dieses aufgeregte Kribbeln im Bauch, Enthusiasmus und Überschwänglichkeit, die ich immer dann verspüre, wenn etwas Aufregendes, mir Unbekanntes bevorsteht. Die Stadt Niagara Falls kann man sich circa so vorstellen wie eine kleinere Version von Las Vegas: Voller greller Lichter, amerikanischer Restaurants und Attraktionen. Neben dem unvermeidlichen Riesenrad gab es ein Wachs-sowie ein Guiness World Records Museum, mehrere 4D Kinos und Haunted Houses ebenso wie Casinos und Karaoke Bars. Man könnte diesen Ort gut als „City that never sleeps“ bezeichnen, da wir problemlos um Mitternacht Abendessen gehen konnten, alle Shops noch offen hatten und die Straßen belebt und voller Menschen waren. Selbst zahllose Kinder tummelten sich noch weit nach Mitternacht an diesem Ort, Zeit schien hier wirklich nur eine bedeutungslose Zahl zu sein. Da die lange Reise an unseren Kräfte gezehrt hatte, fielen wir nach einer richtigen Mahlzeit (die nach unserer Taco Bell-Erfahrung dringend nötig war) und einer kurzen Erkundungstour regelrecht in unserer Betten und ich befand mich bis zu unserem Weckanruf um 7 Uhr morgens in einem regelrechten Schlafkoma.

Wir wohnten im Mariott Hotel direkt in der Stadt, wodurch wir sowohl die Vergnügungsmeile als auch die Fälle quasi direkt vor der Haustür hatten. Auch über unser Zimmer kann ich nur positive Worte verlieren: Im Vergleich zu unseren schlichten, College-inspirierten Zimmern am Campus war unsere Unterbringung hier der reinste Luxus: Große Betten, Teppichboden und eine Badewanne ließen uns vor Freude Luftsprünge machen-und das nicht nur im übertragenen Sinne, sondern wörtlich. Das Hotel wäre auch mit einem Indoor Pool, einer Sauna und einem Fitnessraum ausgestattet gewesen, doch wegen des Zeitmangels konnten wir von diesen Angeboten leider keinen Gebrauch machen. Das inkludierte Frühstück stellte uns auch zufrieden: Neben der Möglichkeit, sich ein Omelette vom Küchenchef machen zu lassen, gab es Bacon, Würstchen und Rührei, und für den süßen Zahn standen mehrere Müslis, French Toast, Marmeladen und meine geliebte Waffelmaschine zur Verfügung. Als süße Frühstückerin entschied ich mich für Obst, French Toast und mehrere Gänge an Waffeln. Dazu kann ich eine witzige Geschichte mit euch teilen: Als ich am vergangenen Samstag eine Nacht im Tarrytowner Marriot verbrachte (ein Blogpost zu meiner Anreise, ersten Woche in New York und Infos dazu, was ich eigentlich hier mache, ist bereits in Arbeit), verdrückte ich vier Stück und wurde von einem Amerikaner darauf angesprochen, er habe in seinem ganzen Leben noch nie jemanden so viele Waffeln essen sehen. Dies ließ mich danach kurzzeitig meine Portionsgrößen überdenken-so etwas von einem US-Amerikaner gesagt zu bekommen soll ja schon etwas heißen ^^

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Nach dem Frühstück sahen wir dann die Niagarafälle zum ersten Mal bei Tageslicht, und ich kann ehrlich sagen, dass mich der Anblick sprachlos machte. Diese Naturgewalt, die sich da vor mir befand, war einfach so gewaltig, dass es mit Worten nicht beschreibbar wäre und dem Schauspiel, das sich vor mir abspielte, nicht gerecht werden würde. Doch nach einer kleinen Fotosession in typischer Touristen-Manier brachen wir schon auf nach Toronto, welches sich am Lake Ontario, dem kleinsten der 5 die USA und Kanada trennenden Seen, befindet. Wobei „klein“ hier definitiv eine Frage der Auslegung ist, da selbst dieser See so immens groß ist, dass man ihn für das Meer halten könnte. Toronto ist mit ca. 3,5 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Kanadas und gleichzeitig eine der am schnellsten wachsenden in ganz Nordamerika. Das zeigte sich auch an der Architektur der Stadt, deren Bild von modernen Glaswolkenkratzern geprägt ist. Dennoch gibt es auch hier einen historischen Stadtkern, der sich ganz klar vom „neuen“ Toronto unterscheidet. Durch die Lage am Wasser und die Parks entlang des Ufers ist kommt auch die Natur nicht zu kurz, wie sich auf den Bildern zeigt.

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Nach einer Bustour durch die Innenstadt, wo wir unter anderem die Universität, das Parlament und das größte Museum Kanadas sahen, fuhren wir auf den 442 Meter hohen CN Tower, das Wahrzeichen Torontos. Von dort aus hatte man einen atemberaubenden 360° Blick über die Stadt, der natürlich auch wieder für das eine oder andere Foto genutzt wurde. Dasselbe galt für den durchsichtigen Glasboden in der Etage darunter, welcher einen Blick in die sich unter einem befindende, gähnende Tiefe ermöglichte. Einige Leute berichteten, sich nicht auf die Platten stellen zu können, aber da ich glücklicherweise relativ schwindelfrei bin, ergriff ich auch diese Chance. Und was tut man nicht alles für ein gutes Urlaubsfoto, das die Daheimgebliebenen neidisch macht 😉

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Anschließend stürmten wir das Einkaufszentrum in der Queens Street direkt im Stadtzentrum, wo wir eigentlich geplant hatten, „nur schnell Mittag zu essen“. Da es dort jedoch alles gab, was das Herz eines jungen Europäers in Amerika begehrt (aka Wifi und amerikanische Shops), gestaltete sich unser Aufenthalt dort weitaus länger als geplant und ich erstand mein erstes Kleidungsstück von Abercrombie and Fitch, welches in meiner näheren Umgebung leider nicht gibt. Darauf folgte eine kleine Erkundungstour zu Fuß, im Zuge derer wir Chinatown (das größte in ganz Nordamerika) und einige kleine Shops mit fragwürdigem Inhalt besuchten. Ursprünglich wollten wir in den Shop von Drake gehen, der selbst hier in der Stadt geboren wurde, jedoch erwies sich dieser als zu weit entfernt und wir mussten dieses Vorhaben leider wieder abblasen. Allerdings trafen wir auf dem Rückweg zum Bus einen unglaublich süßen, 8 Wochen alten Golden Retriver, und ich als professionelle Hundestalkerin erkundigte mich sogleich, ob ich ein Foto machen dürfe, was in einer knapp zehnminütigen Spiel-und Knuddelsession mit der kleinen Emma resultierte. Dann ging es auch schon wieder zurück ins Hotel, wo wir uns nach einer kurzen Erholungspause auf in die Stadt machten.

Nach einem Dinner bei „Ruby Tuesday“ entschieden wir uns dafür, ein paar der Attraktionen zu besuchen. Zuerst machten wir uns auf zu einem 4D Kino, in dem ein 3D Film gezeigt wurde und sich zum Geschehen auf der Leinwand passend die Kinositze bewegten, Wind blies oder Wasser spritzte. Ich war positiv überrascht von dem Erlebnis, da dieses 4D Kino sich als eindeutig besser erwies als die, die ich davor besucht hatte: Der Film fühlte sich wirklich wie real an und wir schrien das eine oder andere Mal, wenn wir im Film gerade wieder einen Abgrund hinunterfielen. Auch eines der Haunted Houses wollte ich unbedingt ausprobieren, was sich jedoch als ein totaler Reinfall erwies: In 4 Minuten durchquerte ich das gesamte Haus, ohne mich auch nur ein einziges Mal zu erschrecken. Ich hatte zwar einen kurzen Anflug von Enttäuschung aufgrund dieses unnötig verschwendeten Geldes, doch spätestens der Anblick der bunt beleuchteten Fälle heiterte mich wieder auf und ich ging an diesem Abend glücklich und voller neuer Eindrücke zu Bett.

Sonntag Morgen folgte die gleiche Weckprozedur wie am Vortag, und nach dem Frühstück ging es erneut zu den Niagarafällen. Zuerst machten wir eine Bootstour mit dem Schiff „maid oft he mist“, und aufgrund des namengebenden Mists wurde uns ein Regenmantel aus Plastik zum Überstülpen bereitgestellt. Dieser ließ einen eher an eine gigantische Plastiktüte als einen Menschen erinnern, aber er erfüllte seinen Zweck und trotz der Mengen an Wasser, die uns bespritzten, blieben wir (abgesehen von unseren Schuhen) trocken. Anschließend überquerten wir erneut die US Grenze, um die amerikanische Seite der Niagarafälle zu besichtigen. Im Vergleich zum kanadischen Teil wurden diese relativ natürlich belassen, wodurch die Fälle aus diesem Blickwinkel betrachtet noch beeindruckender wirkten. Wie unser Tourguides so treffend formulierte: “The Canadian side is the more fun one, but the US one the more naturell beautiful one”. Der letzte Punkt unseres Programms war “The cave of the winds”, wobei das Wort “Höhle” hier nicht besonders akkurat ist, da man im Endeffekt eigentlich auf Brücken entlang der Fälle ging. Zuerst waren wir mehr als ernüchtert, als wir die schier unendlich lange Schlange vor dem Eingang sahen, und die Aussicht, mindestens eine Stunde in der prallen Mittagssonne warten zu müssen ließ uns nicht gerade Luftsprünge machen. Doch die Wartezeit war es definitiv wert: Die unglaubliche Kraft des Wassers war schwer zu beschreiben, und durch die Feuchtigkeit entstanden an mehreren Stellen gleichzeitig Regenbögen wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Aber ich muss sagen, hätte ich keine zwei Regenmäntel übereinander getragen, wäre ich unglaublich nass geworden, daher ist das auf jeden Fall ein guter Tipp. Zwar sah ich wahrscheinlich selten zuvor so dämlich aus, dadurch hatte ich allerdings einiges zu lachen. Ich scherzte, wenn ich hier jemanden kennenlernen würde, wäre er definitiv Heiratsmaterial, da er mich dann wirklich für meine inneren Werte lieben müsse.

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So, das war mein Trip in a Nutshell. Ich hoffe, ich konnte euch beim Lesen und Bilder ansehen an diese tollen Orte entführen und ihr habt auch bald die Chance, sie zu besuchen-denn das solltet ihr unbedingt auf eure Bucketlist setzen.

Ich wünsche euch noch einen kanadischen Tag 😉

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