Hallo meine Lieben!

Heute präsentiere ich euch einen Beitrag, den ich im Zuge meines Studiums für den Uni Blog Young Viesion geschrieben habe. Wir haben uns es dort zur Aufgabe gemacht, eine Gegenposition zu den üblichen Medien zu bieten, die zu 90% negative Nachrichten bringen und wollen positiven Journalismus machen. Schaut bei Interesse gerne mal vorbei 😉

Aber nun zu meinem Artikel. Ich hoffe er gefällt euch, Feedback ist auf jeden Fall erwünscht 🙂

Freitag Abend, 21 Uhr 30. Das MAK Wien ist abgedunkelt, alle 400 Besucher im Raum sitzen erwartungsvoll auf ihren Stühlen. Die Neugier und Spannung bezüglich dessen, was gleich folgen wird, ist förmlich spürbar. Nun, endlich ist es so weit: Eine junge Frau mit neckisch kurzem Haar, Sneakers und Kleid, kommt unter großem Applaus des Publikums auf die Bühne. Sie hält Augenkontakt mit den Zusehern, wartet, bis auch der letzte Klatscher verklungen ist. Als wieder Stille herrscht, beginnt die junge Frau mit zarter, hoher Stimme zu sprechen: “My boyfriend and I were watching porn the other night on our couch. But do not worry, we are not freaks- we were having sex while we watched it.”

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Yana Tallon-Hicks bei ihrem Vortrag

Die charmante, unschuldig wirkende junge Frau ist Yana Tallon-Hicks, Sex-Kolumnistin und eine/r  der SprecherInnen des TEDxVienna Salon Events “The future of intimacy”. Bei dieser Veranstaltung werden Menschen aus aller Welt, die ihre eigenen, außergewöhnlichen Ideen haben, dazu eingeladen, einen Vortrag zu einem bestimmten Thema zu halten. So waren beim Event “The future of intimacy” von einer Sex-Kolumnistin über einen CEO bis hin zu einem Roboter Programmierer vertreten-eine wirklich bunte und abwechslungsreiche Mischung also.

Doch was genau ist eigentlich TEDxVienna?

TED ist eine Nonprofit Organisation, deren erklärtes Ziel es ist, teilenswerte Ideen zu verbreiten und einem größeren Publikum näher zu bringen. Seit dem Start des Projektes als 4tägige Konferenz in Kalifornien vor 25 Jahren ist TED zu einer weltweit vertretenen Organisation geworden, bei deren Events schon Persönlichkeiten wie Bill Gates oder Al Gore gesprochen haben. In 18 Minuten haben die Sprecher die Möglichkeit, ihre Ideen und Gedankenansätze zu präsentieren, welche anschließend gratis auf TED.com, dem TEDtalk YouTube Kanal oder als Podcast von Menschen aus aller Welt angesehen werden können. Freiwillige aus aller Welt helfen dabei, die Talks später mit Untertiteln in allen erdenklichen Sprachen auszustatten. Des Weiteren wurde der jährliche TED Preis gegründet, der Menschen mit außergewöhnlichen Ideen ermöglicht, diese in die Tat umzusetzen.

TEDx, wozu eben auch TEDxVienna gehört, ermöglicht es Einzelpersonen und Gruppen, ein lokales, selbstorganisiertes Event abseits der Haupt- TED Konferenz in Kalifornien abzuhalten. Dadurch können auch Menschen abseits der USA die Möglichkeit wahrnehmen, ihre Ideen zu verbreiten oder sich als Zuseher inspirieren zu lassen. Die TED-Konferenz stellen allgemeine Leitlinien für das TEDx-Programm zur Verfügung, die einzelnen TEDx Veranstaltungen sind aber selbst organisiert. So ergriff 2010 der gebürtige Rumäne und Gründer sowie CEO des Technik Startups “Adspired technologies”, Vlad Gozman,  die Chance, die benötigte Lizenz zu erwerben und die Veranstaltung nach Wien zu holen. Inzwischen, 5 Jahre später, besteht das Freiwilligenteam aus mehr als 60 Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Einstellungen und Visionen. Neben international bekannten Persönlichkeiten bemüht TEDxVienna sich auch, lokale Talente in sein Programm einzubauen und ihnen eine Plattform zu geben. So hielt unter anderem Klaus Stadlmann von der TU einen Talk darüber, wie er den kleinsten 3D Drucker der Welt gebaut hatte, und schaffte es damit sogar auf die offizielle TED Website. 

Etwa 2 Wochen vor dem Event, welches am 6.5.2016 im MAK Wien (Museum für angewandte Kunst) stattfand, kaufte ich mir meine Studentenkarte, die mit 40€ zugebebenermaßen kein Schnäppchen war. Am Tag der Veranstaltung selbst kam ich kurz nach 18 Uhr beim MAK an, wo es laut Plan um 18 Uhr 45 losgehen sollte. Jedoch hatte sich bereits eine meterlange Schlange vor dem Museum gebildet, und es ging nur zögerlich voran. Nun gut, eigentlich hätte ich laut Programm in der Zeit bis zum offiziellen Eventbeginn die Ausstellungsobjekte begutachten können, was so leider flach fiel. Stattdessen nutzte ich die halbe Stunde Wartezeit für einen Lokalaugenschein des Publikums. Dieses war sehr breit gefächert und merklich international: Von interessierten österreichischen Studenten in Alltagskleidung über spanischsprachige Fimenvertreter im Anzug bis hin zu Ehepaaren im gehobenen Alter war alles dabei, und eine bunte Mischung der verschiedensten Sprachen und Dialekte lag in der Luft.

Als ich kurz vor dem offiziellen Eventbeginn eingelassen wurde, blieb nur noch kurz Zeit, um mir meinen Umhänger sowie ein paar Goodies der Sponsoren (unter anderem Innocent, Joya, Red Bull und Ben and Jerries) zu holen, ehe ich auf einem der rund 400 Stühle der Museumshalle Platz nah und gespannt den Start der Veranstaltung erwartete.

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Das ausverkaufte MAK während einer Präsentation

Nach ein paar einleitenden Worten von Organisator Vlad Gotzmann, der auch als Moderator in Erscheinung trat, hielt die gebürtige Kanadierin Wendy Williams, die mit ihrem österreichischen Ehemann in Wien lebt, den ersten Talk zum Thema Global Love, von ihr kurz “GloLo” genannt. Als sie die Bühne betrat, kurz inne hielt und sich umsah, war die Spannung, die in der Luft lag, förmlich spürbar. Doch es reichten ein einleitender Satz, ein kleiner Witz, und schon hatte sie das Publikum auf ihrer Seite. Es folgten 2 weitere Live Vorträge , ein älterer, zum Thema passender, auf die große Leinwand übertragener TED Talk und eine expressionistische Tanzchoreografie einer ebenfalls kanadischen Gruppe, bevor die Zuseher in eine einstündige Pause entlassen wurden. Die Talks waren alle sehr spannend, gut vorbereitet und aufeinander abgestimmt, mit der sehr modernen Tanzperformance konnten ich und das Publikum um mich herum jedoch weniger anfangen, wie ich sowohl ihren Gesichtsausdrücken als auch Gesprächen während der Pause entnehmen konnte.

In der Pause hatte man dann die Gelegenheit, diverse technologische Neuentwicklungen, welche mit dem Thema “The future of intimacy” in Verbindung standen, auszuprobieren. Auch ein paar der Sprecher hatten ihre Erfindungen mitgebracht, von denen sie zuvor in ihrem Vortrag berichtet hatten oder noch berichten würden. Unter den “Ausstellungsobjekten” befanden sich unter anderem eine Virtual Reality Brille, Roboter, welche durch Schulterklopfen menschlichen Kontakt simulieren sollten oder ein Hirnstrom Messgerät, welches die Aktivierung der einzelnen Emotionszentren des Hirns misst und einem in Reaktion darauf Bilder der Internetseite Flickr zeigt, welche einen emotional besonders ansprechen. Laut dem Präsentator, welcher das Gerät an einem Freiwilligen unter den Besuchern demonstrierte, reagiert die Mehrheit der Menschen besonders stark auf nackte Körper und weibliche Gesichter-was auch bei der Versuchsperson der Fall war. Dies war insofern spannend, da diese laut eigenen  Angaben homosexuell und privat nicht an Frauen interessiert war.

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DIe Virtual Reality Brille wird ausprobiert
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Ein Roboter, der durch babyähnlich Bewegungsmuster Beschützerinstinkte auslösen soll
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Der Gehirnstrommesser wird an einem Besucher demonstriert

Für das leibliche Wohl sorgte die Cateringfirma Topfreisen, die traditionelle Gerichte aus dem Nahen Osten von Flüchtlingen aus dieser Region servieren ließ. Unter anderem gab es Curries und Baklava zu probieren, außerdem wurden Getränke von den zahlreichen Getränkeherstellern, die als Sponsoren fungierten, bereitgestellt. Durch die zahlreichen Aussteller und interaktiven Betätigungsmöglichkeiten verging die Pause wie im Fluge und schon folgte der zweite Teil des Veranstaltungsblockes.

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Für das leibliche Wohl sorgte die Firma Topfeisen

Dafür wurde das Licht etwas gedämpft und, wie einer Leitstruktur folgend, wurden mit Fortschreiten des Abends intimere Themen, wie die Prägung der Sexualität durch das Internet, angesprochen. Besonders hervorgestochen ist für mich hierbei der Vortrag von Yana Tallon-Hicks, mit dem ich diesen Beitrag schon eingeleitet habe. Sie brachte einfach viel Humor in ihren Auftritt, und vor allem ihre spürbare Begeisterung sowie ihr im kompletten Kontrast zu dem behandelten Thema stehendes  zartes Aussehen und ihre weiche Stimme sorgten dafür, dass das Publikum ihr mit seiner ganzen Aufmerksamkeit folgte: Niemand hatte sein Handy in der Hand, um mal schell auf die neueste Whatsapp Nachricht zu antworten. Für die, die ich mit meiner Schilderung jetzt neugierig gemacht habe, bette ich hier das Youtube Video zu ihrem Vortrag ein.

Um 23 Uhr ging das kurzweilige Program nach fast vier Stunden zu Ende. Die energiegeladenen TeilnehmerInnen zogen anschließend zur Aftershowparty im Red Room, ich hingegen machte mich müde und voller neuer Impressionen auf den Heimweg.

Der Abend war sicherlich ein Erlebnis, das ich nicht so bald wieder vergessen werde, weil er sowohl inhaltlich als auch was die Präsentationsart angeht abwechslungsreich war. Durch die vorgegebene Zeit von höchstens 18 Minuten blieben die Vorträge spritzig, sodass das Publikum mit Interesse dabei blieb. Lediglich das Englisch einzelner SprecherInnen muss ich noch bemängeln, da man diese Leute dadurch schwer verstehen und ihnen schlecht folgen konnte. Meine Bewunderung gilt hier den zahlreichen Freiwilligen Helferinnen und Helfer, die, nachdem sie abends von der Arbeit heimkommen, ihre freie Zeit dafür verwenden, Sprecher zu finden, zu kontaktieren, sie zu coachen, alles zu koordinieren und dafür zu sorgen, dass das nächste Event nach Plan laufen wird -und das auf einem wirklich professionellen Niveau.

Ich habe mir meine Karte für die nächste TEDxVienna Veranstaltung, die am 22. Oktober unter dem Motto “Out there” im Wiener Volkstheater stattfinden wird, schon besorgt. Ich glaube, das spricht schon eine deutliche Sprache dafür, dass das Event mit seiner Themenvielfalt und den Gedankenanstößen, die es liefert, wirklich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Und wer weiß, vielleicht findet sich eins der vorgestellten Konzepte wie das Hirnstrom Messgerät bald wirklich bei uns im Handel und prägen unser Konzept von Intimität neu.

Mehr Infos zu TED findet ihr unter

http://www.tedxvienna.at

Fotos: https://www.facebook.com/tedxvienna/

Fotos mit freundlicher Genehmigung von TEDxVienna

Videos: https://www.youtube.com/user/TEDxTalks/videos

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