Hallo meine Lieben 🙂

Gestern fand der Sommerball, also die Matura-Zeugnisvergabe (Abitur in Deutschland), meiner ehemaligen Schule statt und das ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Ich hatte dadurch die Chance, einige meiner Freunde wiederzusehen, die ich länger nicht getroffen hatte und um es kurz zu machen: Wir hatten eine wirklich tolle Zeit. Wir plauderten, sowohl untereinander als auch mit ein paar unserer ehemaligen Lehrer, über Themen quer durch den Gemüsegarten und machten natürlich die obligatorischen Gruppenselfies. Obwohl sich im letzten Jahr, seit wir unsere Matura bestanden haben, eine Menge bei jedem von uns getan hat, schien es ganz so, als wäre die Zeit stehen geblieben und wir wieder (bzw. noch immer) eine Klasse, eine Gemeinschaft. Diese Sicherheit und diesen Zusammenhalt in einer doch verhältnismäßig großen Gruppe zu spüren war ein ungewohntes, fast schon vergessenes Gefühl für mich. Da das letzte Mal, dass ich  so eine familienähnliche Dynamik erlebt habe, ist inzwischen schon wirklich lange her-wahrscheinlich während meiner Maturareise vergangenen Sommer. Uns immerhin ist das offizielle Ende meiner Schulzeit, als ich einen wirklich geregelten Tagesablauf hatte und täglich dieselben Personen sah, schon ganze 14 Monate her (ich kann´s auch kaum glauben).

Jedenfalls wurde ich, obwohl ich den gestrigen Abend wirklich genossen habe, auf dem Heimweg, als sich mein Weg wieder von dem der anderen trennte, nachdenklich und fast ein wenig traurig. Mir wurde bewusst, wie sehr ich es vermisst hatte, Teil einer beständigen Gruppe zu sein, die man täglich trifft und wirklich in- und auswendig kennt. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Universität ganz stark von der Schule: An der Universität ist man von einer Menge lieber Menschen mit ähnlichen Interessen umgeben, jedoch sieht man einander aufgrund unterschiedlicher Wohnorte, Kurszeiten und Fächer selten öfter als einmal pro Woche, also nicht besonders häufig. Eine Tatsache, die es einem schwer macht, sich so gut kennenzulernen wie man es eigentlich gern täte, wenn man die “Gelegenheit” dazu hätte.

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Es hat wirklich seine Vorteile, sich seine Zeit flexibler nach den eigenen Präferenzen einteilen zu können und generell mehr Freiheiten im Leben zu haben-dies weiß ich auch zu schätzen. Bist du Morgenmensch? Dann steh um 5 in der Früh auf, beginn deinen Tag bereits mit dem Sonnenaufgang und leg dir deine Arbeitsstunden auf den Vormittag. Langschläfer? Kein Problem, steh nachmittags auf und leg als Nachteule eben Late Night Lernsessions ein. Es liegt an dir.

Auf der anderen Seite sehe ich mich als den Typ Mensch, der klare Verhältnisse und Gruppen(verhalten) sehr genießt und sich wohl damit fühlt– für andere mag das gar nicht ihren Bedürfnissen entsprechend, wenn nicht sogar furchtbar sein. Jede Person ist hier individuell anders, was des einen Wunschvorstellung ist, ist des anderen größter Alptraum. Jedes System hat seine Vor-und Nachteile. Viele sehnen sich nach Anonymität und Individualität, um etwa der kleinbürgerlichen Struktur ihres Heimatdorfes zu entfliehen und das Großstadtleben ohne engere Verpflichtungen zu genießen, sein Ding zu tun. Ein weiterer Teil wiederum wünscht sich die “Geborgenheit” von Fixpunkten im Leben, sich mit denselben Personen umgeben zu können, ohne zuvor kompliziert einen für alle passenden Termin für ein Treffen arrangieren zu müssen.

Ich zum Beispiel muss ehrlich sagen, dass ich bis ich zu studieren begann eigentlich nicht wirklich eine Ahnung hatte, wie das ganze eigentlich wirklich abläuft. Und so genau wird es einem auch nicht geschildert, es sei denn man befasst sich aus irgendeinem Grund selbst schon zuvor intensiv mit dem Thema. Mir war es daher wichtig, denjenigen von euch, die gerade die Schule abgeschlossen haben oder überlegen, was sie nun machen wollen, ein Gefühl zu vermitteln. Euch ein Gefühl dafür zu geben, was die Unterschiede zwischen Schule und Studium sind und was euch, gerade auf der persönlichen und emotionalen Ebene, erwartet.

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Ich hoffe sehr, dass dieser Text hilfreicher euch war und euch eventuell eine kleine Orientierungshilfe bieten konnte. Ansonsten kann ich euch nur viel Glück und Erfolg bei eurer Matura, Studienwahl oder anderweitigen Zukunftsgestaltung wünschen.

Eure Ingrid

 

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