-Trinkst du bei der Runde auch mit? 

-Nein danke, ich will nichts.

-Bist du etwa mit dem Auto da?

-Nein, ich will heute einfach keinen Alkohol trinken.

– Komm schon, sei nicht langweilig. Hier ist dein Shot, du musst auch mittrinken. 

Wer kennt Szenen wie die hier beschriebene nicht? Ich denke, jeder von uns hat das, egal auf welcher Seite der Konversation er sich befand, schon mal erlebt. Alkohol ist ein Teil unserer Gesellschaft, das ist mir klar. Aber viel zu oft kommt es mir vor, als wäre er in deren Zentrum angekommen. Alkoholkonsum ist gesellschaftlich komplett akzeptiert und anerkannt, es ist normal, cool, “gehört dazu”, sich zu betrinken. Jugendliche erwähnen ganz selbstverständlich und nebenbei, am Wochenende im Club XY zu viel erwischt und sich dann dort übergeben zu haben, als wäre das keine größere Sache. Erwachsene jeden Alters scheinen ebenfalls jeden Feiertag, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um sich  “die Kante zu geben”. Und wer schon mal an einem Wochenende, an dem es eine Rabattaktion auf alkoholische Getränke gab, im Supermarkt war, weiß, wie die Menschen an diesen Tagen Einkaufswägen voller Alkohol nach Hause befördern. Das sind keine Einzelfälle, nein, bei mindestens die Hälfte aller Kunden besteht der Großteil des Einkaufs aus Bier, Wien und Spirituosen.

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Quelle: Welt.de

Aber das ist nicht normal, oder sollte es zumindest nicht sein. Ich muss gestehen, durch mehrere Fälle von Alkoholkrankheit in meiner Familie gebrandmarkt und sensibilisiert worden zu sein. Daher bemerke ich wahrscheinlich besonders gut oder mit besonders großer Sorge das Verhalten der Menschen um mich herum.

Keinen oder nur sehr wenig Alkohol zu trinken scheint eher die Ausnahme als die Regel (geworden) zu sein, als Teenager wird man von den anderen ständig dazu angehalten, ebenfalls Alkohol zu probieren-und da hilft häufig  auch kein klares “Nein”. Erst  wenn man angibt, mit dem Auto gekommen zu sein und deshalb nichts trinken zu können, wird das akzeptiert und man in Ruhe gelassen. Ist der eigene Wille, die persönliche Einstellung etwa nicht wichtig genug, kein ausreichender Grund, keinen Alkohol konsumieren zu wollen? Das ist etwas, was einem zu denken geben sollte.

Ich unterstütze den übermäßigen Konsum alkoholischer Getränke auf keinen Fall, da man sich im Klaren sein muss, dass es sich hierbei um eine Droge, ein Suchtmittel handelt. Wie viele Verbrechen, Unfälle oder andere Gräueltaten sind schon unter Alkoholeinfluss entstanden?

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Bild: Szene1.at

Im Prinzip habe ich nichts gegen Alkohol, nur die uneingeschränkte Nutzung, die durch fehlende Kontrolle entstehenden Konsequenzen, wofür viele Menschen es benutzen und die gesellschaftliche Normalität des Alkoholkonsums finde ich bedenklich und nicht unterstützenswert. Niemand sollte dazu gezwungen werden, etwas zu tun was er nicht möchte, oder deshalb zumindest von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Es gibt nun mal ein Alter, meist zwischen 14 und 18, wo Alkohol in unserer Gesellschaft den Mittelpunkt der sozialen Aktivitäten bildet: Am Abend in die Disco ausgehen, sich in einer Bar auf ein Getränk treffen, oder die berühmt-berüchtigten Hausparties: Überall  wird getrunken, und das zumeist in großes Mengen, da viele Jugendliche ihr Limit nicht kennen (wollen). Trinkt man hier keinen Alkohol, wird man mehr als einmal schief angeschaut, und von lauter Betrunkenen umgeben zu sein, die keinen geraden Satz mehr herausbringen, ist auch nicht unbedingt angenehm oder meine Traumvorstellung eines Freitag Abends. Doch wenn es einen, wie mich, schlichtes nicht interessiert, seine Zeit so zu verbringen, ist man de facto von seinem sozialen Umfeld ausgeschlossen.

Daher verbrachte z.B. auch ich in meiner Schulzeit viele Abende an den Wochenenden daheim: Ich hatte dem ganzen mehr als nur eine Chance gegeben, war auf Parties und mit den anderen fortgegangen, und das mehr als ein halbes Jahr lang. Aber irgendwann gestand ich mir ein, dass ich mich dort die meiste Zeit unwohl fühlte, wenig Spaß hatte und nur meine Zeit absaß, bis die anderen beschlossen zu gehen. Von dem erwähnten “Sei nicht fad, trink auch was” Kommentaren mal ganz zu schweigen. Mir ist es egal, ob ihr euch dafür entscheidet zu trinken oder nicht, nur bitte: Akzeptiert auch die Einstellung der anderen und lasst sie sich nicht unwohl fühlen, nur weil sie keinen Alkohol konsumieren wollen!

Den letzen Punkt, auf den ich noch eingehen möchte, ist der Missbrauch von Alkohol als Mittel gegen soziale Ängste. Ich kenne sehr viele Leute, die Alkohol benutzen, um Dinge zu tun, die sie sich ansonsten nicht trauen würden. Um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, um Probleme zu vergessen, um aus ihrer Haut zu herauszukommen. Das alles sind meines Erachtens nach keine Bedingungen, unter denen man Alkohol konsumieren sollte: Man sollte sich, gerade als erwachsene Person, seinen Problemen zu stellen und mit ihnen umgehen-auch ohne den Einfluss von Rauschmitteln. Ansonsten wird man es nie lernen, seine psychischen und sozialen Probleme vermehren sich höchstens. Ich habe einmal einen Spruch gehört, der meiner Meinung nach viel Wahrheit in sich trägt und den sich jeder zu Herzen nehmen sollte: “Trink Alkohol, wenn und wann du möchtest, aber gehe immer sicher, dass du es NICHT tust, um etwas anderes damit zu kompensieren.”

Ich habe für mich persönlich beschlossen, keinen bzw. nur sehr wenig Alkohol zu trinken. Er schmeckt mir schichtweg nicht, und die gesundheitlichen Folgen sowie Erfahrungen in meiner Vergangenheit sind ebenfalls Mitgründe, weshalb ich größtenteils darauf verzichte.

Was sind eure Meinungen und Erfahrungen zum Thema Saufkultur im Jugendalter? Teilt mir Wasser gerne in den Kommentaren mit 🙂

Einen beschwingten Tag wünscht euch

Eure Ingrid

 

 

 

 

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