“Ooh, der neue Trend sieht so toll an XY aus. Und aus dem Onlineshop, wo sie die Sachen her hat, habe ich auch noch nie bestellt. Ich will das auch, ich will auch so aussehen wie sie, ihr Leben führen, mich ein Stückchen wie sie fühlen.”

Außerdem bleibt man so up to date, was die derzeitigen Modetrends- und Strömungen betrifft. Das ist an sich keine schlechte Sache, jedoch wird in uns Menschen dadurch das Gefühl ausgelöst, diese Dinge auch besitzen zu wollen-besonders wenn das (Instagram)Model eine Vorbildfunktion für einen erfüllt. 

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Brauchen wir wirklich einen Rollkragenpulli? Oder ein Off-Shoulder Top? Oder die High Wasted Stripped Denim Jean mit Patches und Boyfriend Cut? Wenn wir ganz ehrlich sind  nicht wirklich, eigentlich sogar überhaupt gar nicht. Ich möchte mich hier auch nicht herausnehmen, auch ich habe mir im vergangenen halben Jahr verhältnismäßig viel neue Kleidung zugelegt. Doch es ist mühsam und für die normale, nicht von Firmen gesponserte 08/15 Studentin einfach nicht leistbar, jedem Trend und jeder neuen Kollektion nachzulaufen. Die großen Ketten bringen mittlerweile ca. alle 2 Wochen eine neue Linie heraus-eine langsam unübersichtlich große Menge. Das Geld, um sich das leisten zu können, muss man sich erst mal erarbeiten. Und den Menschen, die sich das erarbeiten, fehlt dann wahrscheinlich die Zeit, um die Trends und Kollektionen aktiv verfolgen zu können. Daher sprechen genau die Leute auf die Konsumbotschaften an, welche sich die Sachen am wenigsten leisten können.

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Etwas, was man neben dem ökologischen Aspekt ebenfalls nicht vergesse darf, sind die ökonomischen Folgen. Die meiste massentaugliche Mode wird nun mal, und das ist ein Fakt, in Billiglohnländern Südasiens produziert. Und wer jetzt mit dem Finger auf Primark zeigt, der sollte wissen, dass auch H&M oder Zara (welches z.B. um ein Vielfaches teurer ist als Primark) in denselben Fabriken in Bangladesh ihre Kleidung herstellen-ein Fakt, der uns zu denken geben sollte. Die Menschen dort arbeiten unter unwürdigen, schlimmen Bedingungen, werden ausgebeutet-als Resultat bekommen wir dann Kleidung zu niedrigen Preisen. Da die meisten Stücke Saison-Trendware sind, welche nicht auf langjährige Benutzung ausgelegt ist, werden qualitativ schlechte Stoffe verwendet und es wird ungenau genäht. Denn wenn ein Teil nach 2 Monaten ausgefranst und löchrig ist, dann muss (kann) sich der Konsument wieder neue, trendy Ware kaufen und die Produzenten finden Absatz für ihre Produkte-ein schierer Teufelskreis. 

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Ich möchte diese Konsum-und Wegwerfkultur wenn möglich nicht mehr weiter unterstützen, da dadurch sowohl die Näherinnen in Südasien als auch die Ressourcen unseres Planets ausgebeutet werden. Meines Erachtens nach verliert man, wenn man zu sehr in der Welt der Blogger involviert ist (was einem durch die Begleitung deren Alltags mit Snapchat und Instagram leichter denn je fällt), mit der Zeit den Bezug zur Realität und eine gewisse Erdung. Selbst mir, die in dieser Hinsicht sicherlich keine Heilige ist, fehlen manchmal die Worte, wenn ich sehe, wie junge Mädels  zwischen 16 und 22, die sicherlich noch zu 90% von ihren Eltern finanziert werden, auf Snapchat lauthals darüber philosophieren, ob sie sich ihre 3. Michael Kors Handtasche zulegen sollen, in ihren Mittagspausen “wieder mal bei Zara landen”(und 4 neue Teile mitnehmen- was “normale”Menschen als Großeinkauf einstufen würden). Ganz zu schweigen von den täglichen Brunches in Nobellocations und dem Nachmittagskaffee bei Starbucks. Es wird ein Lebensstil dargestellt und als normal repräsentiert, der für die Mehrheit der Menschen einfach nicht aufrechtzuerhalten ist. 

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Ich habe für mich beschlossen, aus diesem Kreislauf der Konsumgesellschaft, zumindest zu einem gewissen Grad ausbrechen zu wollen. Aber wie möchte ich das machen? Einfach wird es bestimmt nicht werden. Jedoch habe ich mir ein paar Punkte überlegt, denen ich als Richtlinie folgen möchte:

  • Nur 1x pro Woche in Bekleidungs-, Schuh- und Dekogeschäfte schauen
  • Mindestens 50% meiner Bekleidung sollen im Westen, zu fairen Löhnen produziert worden sein
  •  Eine Liste der Dinge führen, die ich wirklich benötige oder unbedingt möchte
  • Nichts beim 1. Mal mitnehmen-wenn mir ein Produkt wirklich gefällt, dann wird es mir nicht aus dem Kopf gehen und ich werde es bis zu meinem nächsten Einkauf sicher noch nicht wieder vergessen haben
  • Weniger, aber teurere Sachen kaufen, die mir wirklich etwas bedeuten
  • Nur 3x pro Tag Instagram und 2x täglich Snapchat checken-die Leute, deren Beiträge ich mir wirklich gern ansehe, werde ich weiterhin verfolgen. Und dadurch, dass ich nicht mehr dauerhaft in der Konsumwelt “drin” bin, werde ich einen rationaleren und realistischeren Blick auf die Szene werfen können

Das war ein kleiner Überblick über meine künftigen Richtlinien, die mir ein Ausbrechen aus dem sinnlosen, nicht nachhaltigen Überkonsum ermöglichen sollen. Es ist möglich, auch als Student. Wusstet ihr etwa, dass Brandy Melville ausschließlich in Italien und American Apparel in Kalifornien nähen- und produzieren lässt? Ziemlich cool, oder? So ist es meiner Ansicht nach definitiv möglich, auch als Student im Trend liegend und gut angezogen zu sein, ohne dafür ein Vermögen ausgeben zu müssen. Das sind zwei kleine “Insider-Tipps” meinerseits für euch, wenn ihr faire, im Westen produzierte Mode zu einem leistbaren Preis kaufen wollt.

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Das erste Teil, das ich nach diesen Kriterien erstanden habe, ist mein allererstes Dirndl. Dieses war natürlich kein Schnäppchen und wurde mir deshalb von meiner Mutter geschenkt. Ich liebe es allerdings jetzt schon heiß, es ist ein klassisches und zeitloses Stück in guter Qualität. Daher rechne ich damit, es noch viele Jahre behalten und anziehen zu werden. Hochzeiten, Geburtstage, Bälle, Volksfeste: Gelegenheiten bieten sich im Jahresverlauf viele. Mein Dirndl kaufte ich bei Thalbauer Trachten direkt in der Linzer Innenstadt, und es wurde auch in Oberösterreich produziert-Regionalität und Nachhaltigkeit vom Feinsten 🙂

Am Linzer Urfahranermarkt vor 2 Wochen hatte ich dann endlich die Gelegenheit, es auszuführen. Dabei sind auch einige Bilder für euch entstanden, wie ihr schon gesehen habt 🙂

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Dirndl: Thalbauer Trachten

Schuhe: H&M

Kette: Tiffany´s

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Ich hoffe sehr, mein Dirndl und meine Gedanken zum Thema Instagram und die Konsumgesellschaft haben euch gefallen oder inspiriert. Falls ihr meine Punkte auch umsetzten und beim Projekt “Raus aus dem Trend- und Wegwerfwahn” mitmachen wollt, dann schreibt mir das in die Kommentare.

Einen ballastbefreiten Tag wünscht euch

Eure Ingrid

 

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