Hallo meine Lieben!

Ich hoffe ihr habt den Feiertag heute alle gut verbracht. Falls auch (deutsche) Männer unter euch sind dann wünsche ich euch noch einen schönen Männer- und Vatertag. Ich habe den heutigen Tag für einen Abstecher ins wunderschöne Graz genutzt, wo ich meinen Bruder, der hier studiert, sowie meine Tante besucht habe. Passend zum heutigen Feiertag habe ich über Erholung, Entspannung und das “Akku aufladen ” reflektiert, da viele Menschen ihre freien Tage dafür nutzen.

IMG_8952

Meiner Meinung nach entspannen wir uns alle viel zu wenig. Seid mal ehrlich: Wie viele von uns checken auch am Feierabend oder im Urlaub unsere Emails oder denken voller Bammeln an den nächsten anstehenden Test? Ich schätze, eine ganze Menge werden sich jetzt ertappt fühlen.  In unserer globalisierten und hoch technisierten Leistungsgesellschaft kann man die Arbeit nicht mehr einfach nach Feierabend hinter sich lassen, da man das Firmenhandy für den Chef weiterhin jederzeit erreichbar bleibt. Auch wenn wir selbst es vielleicht nicht bewusst wahrnehmen setzt uns das innerlich unter Stress, den wir nicht abzuschalten vermögen. In gewisser Weise haben wir verlernt zu entspannen. 

Dafür mache ich zum Teil auch die sozialen Medien verantwortlich. Über Snapchat, Instagram und Facebook können wir (gefühlt) hautnah miterleben, was unsere Freunde, Blogger oder Stars in ihrem “Alltag” alles tolles erleben, welche fantastischen Orte und Events sie besuchen, wie konsequent sie lernen und wie diszipliniert sie sich nach einem langen Arbeitstag um 10 Uhr Abends noch zum Sport begeben. Das wird uns als Norm suggeriert, wodurch wir uns dazu verpflichtet fühlen, all diese Dinge auch zu machen. Ob sich das alles in den Tag hineinquetschen lässt? “Egal, sonst schlaf ich halt mal ein bisschen weniger. …. schläft ja auch selten mehr als 3 Stunden, hab ich auf Snapchat gesehen. Und sie ist erfolgreich im Studium, hat total viele Freunde, jettet um die Welt und hat ein Sixpack. Das will und kann ich auch packen. ” Motivationssprüche wie “Keep on hustling” und “You won´t reach your dreams by being lazy” tun zusätzlich noch ihren Teil zur Sache. Ja, es ist toll und wichtig, Disziplin zeigen zu können und seine Träume zu verfolgen. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass wir trotzdem alle nur Menschen mit einer begrenzten Menge an körperlicher Energie und psychischer Belastungsfähigkeit sind. 

Bildschirmfoto 2016-05-05 um 22.19.36

Die Leistungsgesellschaft suggeriert uns, dass wir faul und unproduktiv sind, wenn wir mal auf der Couch entspannen. Der Spruch “No matter how slow you go, you are still lapping everybody on the couch” kursiert ja schon seit Jahren auf Instagram. Sollen wir uns etwa schlecht fühlen, wenn sich unser Körper die Ruhe holt, die er benötigt? Ich bin im letzten Monat öfters Laufen gewesen, etwas, das ich zuvor kaum gemacht habe. Da ich vergangene Woche sehr viel Zeit im Zug und mit dem Schreiben von Prüfungen verbracht habe, genoss ich den Ausgleich, den mir die monotone, rhythmische Bewegungsabfolge brachte. Am Ende der Woche fühlte ich mich dann erschöpft, und durch das viele Laufen auf dem städtischen Asphalt schmerzten meine Knie: Ich brauchte wirklich eine Pause, um wieder Energie zu tanken, da ich zu sehr an meinen Energieressourcen gezehrt hatte. Wisst, ihr was ich getan habe? Ich habe auch eine Pause gemacht und war diese Woche noch kein einziges Mal beim Sport. Sicher hätte ich mich quälen können, meine müden Beine Kilometer um Kilometer weiterbewegen, oder mich im Fitnessstudio bis zur Leistungsgrenze verausgaben. Doch was hätte es mir gebracht? Ich hätte mich wahrscheinlich verletzt oder riskiert, mich psychisch komplett ausgebrannt. Genauso legte ich 3 Tage vor meiner Modulprüfung einen komplett lernfreien Tag ein, weil mein Kopf schlichtweg voll war, schmerzte und ich mich nicht mehr auf den Stoff konzentrieren konnte. Am nächsten Morgen ging es mir schon wieder viel besser und ich brachte an dem Tag wahrscheinlich mehr weiter als ich sonst an beiden Tagen zusammen geschafft hätte.

Es ist ok, einen Nachmittag im Bett vor dem Fernseher zu verbringen, wenn wir das brauchen. So können wir wieder neue Energie tanken, wir brauchen uns deswegen nicht zu schämen oder faul zu fühlen. Denn die Menschen, die über einen längeren Zeitraum hinweg zu viel von ihrem Körper und Geist verlangen, erkranken in sehr vielen Fällen an einem Burnout aka derBezeichnung der Wirtschaft für Depressionen. Hier liegt das altbekannte “Wer war zuerst da, das Huhn oder das Ei” Dilemma vor: Einerseits erkranken Leute, die sich in ihrem Leben zu sehr verausgaben, dadurch häufig an Depressionen, andererseits sorgt die (teils angeborene,) depressive Tendenz in einem Menschen dafür, dass sein innerer Antreiber ihn nicht ruhen lässt und bis über seine Grenzen treibt. Depressionsgefährdete Menschen missbrauchen ständige Beschäftigung auch als Copingstrategie, um nicht mit ihren Gefühlen und Gedanken allein zu sein und mit ihnen konfrontiert werden zu müssen. Dabei wäre es wichtig und richtig für sie, sich sich selbst und seinen Emotionen zu stellen. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann ist es das, dass man seinen Gefühlen und dem Bedürfnis des Körpers nach Ruhe nicht ausweichen und davor davonlaufen kann. Man kann es nur aufschieben, bis es einem von einem Moment auf den anderen plötzlich mit aller Kraft trifft und alles Aufgestaute auf einen einprasselt. 

IMG_8830

Daher suggeriere ich euch, egal ob ihr Schüler oder Student seid oder arbeitet, ob ihr depressive Tendenzen habt oder nicht: Bitte hört auf euren Körper und gönnt ihm die Ruhe, die er verlangt und braucht! Nur so könnt ihr euer Leben in vollen Zügen genießen, übermüdet und dauergestresst ist das nämlich schwer möglich.

Einen entspannten Abend wünscht euch

Eure Ingrid

 

Advertisements