Hallo meine lieben Leser!

Das Thema, welches ich heute ansprechen möchte, liegt mir sehr am Herzen. Natürlich schreibe ich generell über die Themen, die mich im Moment bewegen und über die ich mir im Alltag Gedanken mache. Aber worüber ich in diesem Post schreibe ist mir ein besonderes Anliegen, da ich es bei vielen meiner Mitmenschen und auch bei mir selbst bemerkt habe: Wir legen uns selbst einen großen Stein in den Weg in Richtung Glück, indem wir unsere Zufriedenheit und unser “Glück” von unseren Lebensumständen abhängig machen. Ständig höre ich Sätze wie “Ich werde glücklich sein, wenn ich die Matura/das Abitur habe”“Ich werde glücklich sein, wenn ich diesen Job bekomme”, “Ich werde glücklich sein, wenn ich mit meinem Traumtypen zusammenkomme”,… Viel zu oft vergessen wir dabei, dass Glück 1. nicht messbar ist und 2, dass Glück nicht als “ideale Lebensumstände” definiert wird sondern einfach ein Gefühl ist.

Ich möchte damit nicht sagen, dass ihr euch nicht auf die Zukunft freuen und auf bestimmte Ereignisse hinfielen solltet. Mein Standpunkt ist, dass viele von uns entweder in der Zukunft mit all ihren potentiellen Möglichkeiten oder in sentimentalen Erinnerungen an vergangene, bessere Zeiten leben und dabei vergessen, den Moment zu genießen.

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Unser Leben ist nun mal kein Wunschkonzert, das muss uns klar sein. Viele von uns werden wahrscheinlich nicht genau den Job und das Leben bekommen, das wir uns als Kinder vorgestellt haben. Wie könnte es sonst sein, dass in der Schule die Mehrheit der Kinder/Jugendlichen angibt, später “nicht in einem Büro arbeiten” und stattdessen “was Kreatives” machen zu wollen und im Endeffekt der Großteil der Menschen sich später in einem klassischen 9-5 Bürojob wiederfindet? Nicht alle von uns werden ihr leben als Popstar, freischaffender Künstler oder Profisportler verbringen, das ist nun mal die Realität. Und auch wenn wir es wären, würde uns das wirklich glücklich machen? Oder wurden diese Tätigkeiten uns schlichtes von den Medien als erstrebenswerte Ideale präsentiert, die uns als (naive) Kinder maßgeblich beeinflussten? Denkt doch einmal nach, wie viele Popstars oder Sportler es gibt, von denen man weiß, dass sie schon unter psychischen Problemen oder Substanzabhängigkeit gelitten haben. So glücklich können diese Idole dann ja anscheinend auch nicht sein…

Meiner Meinung nach ist der Grund, warum so viele Leute, die einem auf der Straße entgegenkommen, so mürrisch aussehen der, dass sie noch immer an den steifen Idealvorstellungen ihrer Jugend festhalten, die sie nie erreicht haben und wahrscheinlich auch nicht mehr erreichen können. Aber das ist nicht schlimm, denn das Leben bietet so viel mehr als diesen einen Weg, den man mit Tunnelblick anvisiert hat. Seien wir mal realistisch: Unser Alltag ist nicht ein einziges Highlight, das tägliche Leben ist oft monoton und unspektakulär. Wir alle werden in unserem Leben viel arbeiten müssen, wir werden sogar  verdammt hart arbeiten müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Niemand von uns wird eines Tages aufwachen, ohne jede Anstrengung und Ausbildung plötzlich seinen Traumjob haben und nur dann arbeiten müssen, wenn er wirklich Lust drauf hat. So spielt das Leben nicht.

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Wir alle werden auf unserem Weg kleine, nervenaufreibende und wenig angesehene Jobs haben und in den sauren Apfel beißen müssen. Aber anstatt den ganzen Arbeitstag nur den Feierabend und das Wochenende herbeizusehnen und sich dann  das Wochenende damit zu verderben, dem kommenden Montag und die nächste Arbeitswoche zu fürchten sollten wir versuchen, uns auf die kleinen, schönen Momente im Alltag zu fokussieren. Auf die Sonne, die plötzlich hinter den Wolken hervorkommt; auf das Lächeln, dass uns der alte Herr in der Straßenbahn geschenkt hat, als wir ihm unseren Sitzplatz überlassen haben; auf die Blumen, an denen wir auf unserem Weg zur Arbeit/Schule/Uni täglich vorbeikommen und die gerade in Blüte stehen. Das Leben hat so viel Schönes im zu bieten, wenn wir ihm nur die Chance geben und zulassen, die Feinheiten des Alltags zu schätzen. Denn ansonsten laufen wir Gefahr, unser Leben in ständiger Erwartung besserer Zeiten an uns vorüberziehen zu lassen, ohne jemals wirklich gelebt zu haben. Ein Beispiel dafür, wie man das beste aus den gegebenen Umständen macht, hat sich bei mir erst kürzlich ereignet.

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Ich fuhr in einer Samstag Nacht mit dem Nachtbus nach Hause zurück, erschöpft und mein Bett herbeisehnend. Der Gedanke, jetzt noch mit dem Nachtbus fahren zu müssen, erfüllte mich nicht unbedingt mit Freude, denn in einem kleinen, dreckigen Bus mit einem Haufen betrunkener Fremder zu sitzen ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Als ich einstieg, begrüßte mich der Busfahrer freundlich und fuhr so auch bei den anderen Passagieren fort. Er bekam dafür einige mürrische Kommentare zurück, von denen er sich seine gute Laune allerdings nicht verderben ließ,  und machte während der weiteren Fahrt noch einige Witze und lustige Kommentare. Busfahrer zu sein ist sicherlich kein Traumberuf für die meisten Menschen, da er weder gut bezahlt noch in der Gesellschaft angesehen ist. Und doch machte der Busfahrer in dieser Nacht das Beste aus seiner Situation, schien glücklicher zu sein als die Mehrheit der Leute mit objektiv betrachtet “besseren” Jobs und machte die Fahrt mit dem Nachtbus, die ich am Liebsten gemieden hätte, zu einem netten Erlebnis, an das ich mich gerne zurückerinnere.

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Dieser Mann ist für mich der lebende Beweis dafür, dass Glück und Zufriedenheit nicht von den äußeren Lebensumständen abhängt. Daher möchte ich abschließend noch einmal an euch appellieren: Schätzt die kleinen, alltäglichen Dinge und lebt im Moment, denn darin liegt der Schlüssel zum Glücklichsein.

Bedachte Grüße sendet euch

Eure Ingrid

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