Hallo ihr Lieben!

Long time no see-oder in diesem Falle wohl eher read 🙂

Ich hatte die letzten Tage viel für die Uni zu tun, da ich sowohl für Seminare arbeiten als auch für Prüfungen lernen musste. Aber wie sagt man doch so schön: “Nur die harten kommen in den Garten” 😉

Das Thema, welches ich heute ansprechen möchte, ist das Erwachsenwerden und die Herausforderungen die das an uns stellt. Mit dieser Aufgabe werden wir im Laufe des Lebens logischerweise alle konfrontiert und obwohl man denkt, dass das die natürlichste Sache der Welt sein sollte stellt sie doch eine große Hürde dar.

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Klar, auch im Verlauf der Schulzeit musste man mehr und mehr Pflichten übernehmen und konnte selbstständiger sein. Doch für mich kam erst mit Studienbeginn so richtig der Moment wo ich realisierte (und vergebt mir hier bitte meine etwas derbe Ausdrucksweise): “Scheiße, du bist jetzt ganz auf dich allein gestellt.”

Und ich bin eigentlich von klein auf ein sehr selbständiger und unabhängiger Mensch. Als ich aber plötzlich vor vollendeten Tatsachen stand, meine Eltern sich nach dem gemeinsamen Auspacken meiner persönlichen Gegenstände von mir verabschiedeten und mich allein vor dem Studentenheim, meinem neuen Zuhause, wo ich absolut niemanden kannte, zurückließen, wurde mir die Tragfähigkeit des Ganzen bewusst. Beim Zubettgehen fiel mir auf, dass ich an diesem Abend das erste Mal in meinem Leben an einem fremden Ort schlief ohne eine mir vertraute Person bei mir zu haben. Auch an dieses Gefühl musste ich mich erst noch gewöhnen.

Und fangen wir garnicht erst mit der ganzen Bürokratie an! Wenn ich als “Erwachsene” eines gelernt habe, dann ist es dass das Leben aus einer Menge Bürokratie und Formalitäten besteht. Und auf das bereitet einen vorher niemand vor. Ich hatte keine Ahnung von Steuererklärungen, Wäsche richtig trennen oder wie man einen Brief korrekt beschriftet-lauter banalen Alltagstätigkeiten, die zuvor von den Eltern im Hintergrund erledigt worden waren. Aber wie genau man diese Tätigkeiten durchführt wird einem nie beigebracht und quasi als “Grundvoraussetzung” angenommen. Ich fühlte mich überfordert, allein gelassen und dumm. Ja, genau. Dumm. Und wenn ich eines wirklich nicht bin ist das wenig intelligent. Aber in dieser Situation, in der alles auf mich einprasselte, war mir auf einmal alles zu viel.

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“Warum verlangt man plötzlich von mir, dass ich das alles alleine kann?” dachte ich mir und wollte mich am liebsten unter einer Kuscheldecke verkriechen, um mich der Welt und ihren Herausforderungen nicht stellen müssen. Doch das ist das was wir alle im Endeffekt tun müssen: Uns der Realität stellen und uns dadurch weiterentwickeln. Bei vielen psychischen Krankheiten wie Anorexie, Bulimie oder Borderline ist die Angst vor dem Erwachsenwerden und die fehlende Akzeptanz dessen, nicht ewig ein Kind bleiben zu können, ein Mitverursacher und die Krankheit eine Art “Ablenkungsstrategie”.

Doch auch wenn es anfangs super hart ist, plötzlich mit so viel Neuem konfrontiert zu sein von dem man keine Ahnung hat, im Endeffekt lohnt es sich und man wächst an der Aufgabe. Es wird sicherlich immer wieder Hoppalas und Stolpersteine geben, ich hatte davon mehr als genug und mein Leben war zeitweise ein absolutes Chaos. Ich habe viele Fehler gemacht, viele impulsive Entscheidungen getroffen, ein Studium abgebrochen, bin umgezogen. Aber vor allem habe ich eines getan: Ich habe innerhalb kurzer Zeit mehr über mich selbst gelernt als je zuvor. Denn wenn man alles selbst entscheiden muss und auf sich allein gestellt ist merkt man viel eher, wer man wirklich ist und was man wirklich will.

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Ich fühle mich auch jetzt (zumindest die meiste Zeit über) noch nicht als Erwachsene und werde auch immer die Tochter meiner Eltern bleiben. Aber he, man sagt oft dass die kreativsten Geister innerlich immer Kind geblieben sind 😉

Kindliche Grüße und einen schönen Abend noch

Ingrid

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