Als ich letztens den Post der lieben Lottie über die Komplexe ihrer Größe wegen las, habe ich mich direkt angesprochen und inspiriert gefühlt und mich entschlossen, sozusagen einen „Antwort-Post“ zu schreiben. Ihren Post verlinke ich euch auch gleich hier, denn der ist (wie ihr Blog generell) sehr empfehlenswert. Denn auch ich bin mit meinen 1,59 gelinde ausgedrückt nicht gerade eine Riesin, um nicht zu sagen ein Zwerg.

Schon im Kindesalter gehörte ich immer zu den Kleinsten und wurde auch mit 10 Jahren noch von manchen Menschen für ein Kindergartenkind gehalten. Auch während der Pubertät, als alle anderen Mädchen zu wachsen und sich zu entwickeln begannen blieb ich lange außen vor.

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Quelle: tumblr/sarapocock

„Wir sind in unserer Familie eben alle Spätentwickler, du wirst sehen, du wirst sicher noch mindestens 1,70m groß werden. Jeder von uns ist so groß.“ Wurde mir mehrmals glaubhaft versichert. Dass ich in dieser Zeit der Entwicklung wie viele meiner Freundinnen gerne Germany´s next Topmodel schaut, wo alle Mädchen sehr groß und super dünn sind, war dabei für mein Bodyimage natürlich auch nicht gerade förderlich. Aber ich vertröstete mich weiterhin auf die Zukunft und den kommenden Wachstumsschub. Doch der kam und kam einfach nicht.

Inzwischen wurde ich schon von Familienmitgliedern und Bekannten auf meine Größe angesprochen. Es wurde gescherzt, ob ich denn wirklich die Tochter meines 1,90m großen Vaters sei, ob ich im Auto überhaupt schon ohne Kindersitz fahren dürfe und natürlich der Klassiker unter den Kleinen-Witzen „Kommst du da oben ran?“

Grundsätzlich hätte ich meine Körpergröße vermutlich von selbst nicht als ein so großes Problem (Achtung schlechtes Wortspiel ;P) empfunden, wenn mir durch andere Menschen und das Idealbild in den Medien nicht vermittelt worden wäre, dass Körpergröße etwas Schönes und Erstrebenswertes ist. So „schummelte“ meine Mama beim Ausstellen meines Passes einen Zentimeter dazu „damit ich wenigstens 1,60m groß“ wäre.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich will damit keinesfalls sagen, dass große Mädchen deswegen weniger hübsch sind oder sie heruntermachen. Gerade das finde ich in unserer Gesellschaft ein wesentliches Problem: Uns wird vermittelt, uns andauernd mit anderen vergleichen und messen zu müssen und dass wir dann besser dastehen, wenn wir andere Menschen im abwerten. Hier ein paar (traurige) Beispiele, die tausendfach weiterverbreitet im Internet kursieren:

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Quelle: Pinterest
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Quelle: xplosivegrowth

Ich finde das bedenklich und möchte zum Ausdruck bringen, dass teilweise rein genetisch vorbestimmte Schönheitsideale wie Körpergröße, große Brüste oder „Thigh Gap“ für viele unerreichbar sind und gerade junge Mädchen sich deswegen heruntermachen. Und das sollte nicht so sein, niemand sollte Gedanken an ein eigentlich so unwichtiges Thema, das man sowieso nicht ändern kann, verschwenden. Ich bin weder groß geworden, noch habe ich je „richtige“ Brüste bekommen. Ein Thigh Gap hatte ich mal als ich aufgrund des allgemeinen Schönheitsdrucks dachte „wenn ich schon nicht groß bin und keine Brüste habe, dann will ich wenigstens dünn sein“. Und ich kann euch ehrlich sagen, glücklicher hat mich das definitiv nicht gemacht, ich habe diese Zeit im Gegenteil sogar als eine der miserabelsten in meinem Leben in Erinnerung. Denn sobald der eine Komplex weg ist, finden wir Mädchen (leider) zwei neue die an dessen Stelle treten. Ich würde lügen wenn ich behaupten würde, vollends mit mir und meinem Körper im Reinen zu sein, doch wie man so schön sagt „Happiness is a journey, not a destination“. Wir können allerdings daran arbeiten, uns so zu akzeptieren wie wir sind, mit allen unseren kleinen und großen Imperfektionen. Statt auf unsere Schwächen sollten wir uns auf unsere guten Seiten und die Dinge, die wir an uns mögen, fokussieren.

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Deshalb fordere ich euch auf: Nehmt jetzt gleich wenn ihr das lest ein Blatt Papier zur Hand und schreibt 5 Dinge auf, die ihr an euch mögt. Das können Charaktereigenschaften oder Körpermerkmale sein, ganz wie ihr wollt. 5 Dinge bekommt sicherlich jeder von euch zusammen, auch wenn sie noch so klein sind. Ihr werdet, wenn ihr länger darüber nachdenkt, sicherlich bemerken: „So schlecht bin ich doch eigentlich gar nicht! Ich habe viele tolle Dinge an mir, die mich schön und liebenswert machen.“

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Quelle: pinterest

 

Ich habe mich inzwischen mit meiner kleinen Größe abgefunden, in dem ich mich auf die positiven Seiten daran konzentriert habe. Davon gibt es nämlich auch jede Menge. Zum Abschluss dieses Posts werde ich eine Liste der Vorteile am klein sein mit euch teilen, die ich mit 16 einmal an einem Tag geschrieben habe, an dem ich nach einem Familientreffen, bei dem ich wieder mal deswegen geneckt wurde, geschrieben habe:

  • Ich kann jederzeit ohne Probleme hohe Schuhe anziehen, wenn ich mit einem Mann ausgehe
  • Ich komme auch in die hintersten Winkel und durch die kleinsten Schlupflöcher
  • Kinder mögen mich alle sehr gerne und vertrauen mir schnell, weil ich auf sie nicht bedrohlich wirke
  • Viele Schuhmodelle wirken aufgrund meiner zierlichen Füße sehr zart und feminin
  • Ich werde wahrscheinlich auch mit 40 oder 50 noch jünger aussehen als ich wirklich bin
  • Ich sehe und erlebe die Welt aus einer anderen Perspektive als die meisten Menschen und entdecke so auch Dinge, die die anderen im wahrsten Sinne des Wortes „übersehen“

So, dass waren die positiven Seiten, die ich im Laufe der Zeit an meiner ehemaligen Unsicherheit entdeckt habe, Jetzt möchte ich von euch wissen:

Welche guten Seiten habt ihr an euren Schwachpunkten gefunden? Und wie habt ihr eure Selbstzweifel überwunden?

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Quelle: Twitter/SHORTGIRLS
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